Geben Sie noch einen Ort oder PLZ an, damit Ihnen optimale Ergebnisse angezeigt werden können!
z.B. Hotel, Schmidt
z.B. Berlin, 10117
Suche nach Branchen mit: 0-9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Leihmutterschaft

Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Problem unter dem immer mehr Paare leiden. Studien zufolge gibt es zwischen 500.000 und 1,5 Millionen solcher Lebensgemeinschaften in Deutschland. Hinter diesen Zahlen verbergen sich Einzelschicksale von Paaren, die meist gezwungen sind, eine Schwangerschaft auf medizinischem Wege herbei zu führen, wenn sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen wollen. Es gibt auch Fälle, in denen selbst nach einer Behandlung mit Medikamenten oder sogar nach operativen Eingriffen, keine Schwangerschaft eintritt.

Bitte beachten Sie unsere Facebook-Gruppe zu diesem Artikel

Gruppe "Leihmutterschaft"

Leihmutterschaft in Deutschland
© Vitaly Valua FOTOLIA

In einer solchen Situation kommt bei einigen Paaren der Gedanke auf, den gemeinsamen Kinderwunsch mithilfe einer so genannten Leihmutter zu erfüllen. Das bestätigt auch die Berliner Psychologin Vera-Simone Pastor. Als Kinderwunsch-Beraterin hilft sie ungewollt kinderlosen Paaren mit der schwierigen Situation fertig zu werden. Zudem gibt sie Empfehlungen, welche weiteren medizinischen Möglichkeiten bestehen, um eine Schwangerschaft zu fördern. In Deutschland existiert ein dichtes Netz an Beratungsstellen wie der von Vera-Simone Pastor (siehe Weblinks).

Doch beim Thema Leihmutterschaft ist die Arbeit der Psychologin stark eingeschränkt. Der Grund: „Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten“, sagt Vera-Simone Pastor. Das so genannte Embryonenschutzgesetz untersagt, dass eine Frau Ersatzmutter für eine andere Frau, die keine Kinder bekommen kann, sein darf. Rein theoretisch bestünde diese Möglichkeit, wenn eine Frau aufgrund einer Eierstockerkrankung keine befruchtungsfähigen Eizellen bilden oder wegen einer Gebärmuttererkrankung kein Kind austragen kann.

Aus medizinischer Sicht werden zwei Formen unterschieden: die volle und die partielle Leihmutterschaft.
Eine volle Leihmutter empfängt das Kind des Partners einer sterilen Frau. Dabei wird die Leihmutter entweder künstlich mit dem Sperma des Partners befruchtet oder sie hat mit ihm Geschlechtsverkehr. 
Im Gegensatz dazu trägt eine partielle Leihmutter „nur“ die befruchtete Eizelle eines fremden Paares aus. Dazu wurde zuvor die Eizelle der Frau, die nicht empfangen kann, mit dem Samen ihres Partners „im Reagenzglas“ befruchtet und anschließend in die Gebärmutter der Ersatzmutter eingepflanzt.

In Deutschland ist nicht nur die Leihmutterschaft an sich verboten sondern auch die Vermittlung und das Anbieten eines solchen Dienstes. Kinderwunschberatern bleibt damit nur, die Betroffenen an Beratungsstellen im Ausland zu verweisen. Denn in Ländern wie den Niederlanden, Großbritannien oder den USA ist Leihmutterschaft nicht verboten.

Im Gegenteil: In der Universitätsklinik im niederländischen Amsterdam ist eigens ein Zentrum für Leihmutterschaft eingerichtet worden. Aus rechtlichen Gründen bieten die Verantwortlichen dort jedoch keine Vermittlungen an. In Amerika gibt es Agenturen, die kinderlose Paare und Leihmütter zusammenbringen und sie dann über die gesamte Zeit begleiten. Auf den Webseiten der Agenturen wird zum Teil sehr ausführlich über das Thema informiert. So erklärt zum Beispiel das International Assisted Reproduction Center auf seinen Seiten, wie Paare eine Leihmutter finden können, was eine „gute Leihmutter“ ausmacht und wie der komplette Prozess unter Führung der Agentur abläuft. Da in den USA Leihmutterschaftsverträge mit einer entsprechenden Vergütung erlaubt sind, gibt es auch zu diesen Themen Informationen. Gerade die Bezahlung einer Leihmutter, sofern diese eine fordert, stellt viele Paare vor große Schwierigkeiten. Oftmals liegt der Preis bei mehreren zehntausend Euro.

Bisher weitgehend unerforscht sind die psychologischen Folgen einer Leihmutterschaft für die Beteiligten. Wie der anerkannte deutsche Psychotherapeut und Kinderwunschberater, Dr. Tewes Wischmann, erklärt, gibt es aufgrund der schwierigen rechtlichen Situation nur wenige Studien. Die meisten kommen aus den USA. Der Experte verweist dazu auf einen wissenschaftlichen Report aus dem Jahr 2005. Demnach empfanden die sozialen Eltern des Kindes die Leihmutterschaft durchweg positiv. Immerhin war es die einzige Möglichkeit ihren Kinderwunsch zu erfüllen. 
Für die Kinder selbst gab es keine negativen Folgen beziehungsweise sind bisher keine erforscht worden. Gleiches gilt grundsätzlich für die Leihmütter. Es wurden jedoch Fälle registriert, in denen sie sich dazu entschlossen haben, das Kind zu behalten. An dieser Stelle zeigt sich das ethische Kernproblem der Leihmutterschaft: Die Frau, die das Kind „austragen“ soll entwickelt Muttergefühle. Muss sie es nun aufgrund einer Vertragsverpflichtung abgeben? Hat sie nicht auch einen Anspruch auf das Kind?
Das sind Fragen, die wenn überhaupt moralisch nur unzureichend beantwortet werden können. Darin sind sich Mediziner, Kinderwunschberater und der Gesetzgeber einig. Nicht zuletzt deshalb, ist Leihmutterschaft in vielen Ländern verboten.

Leihmutterschaft in anderen Ländern

Frankreich: verboten
Dänemark: verboten
Norwegen: verboten
Schweden: verboten
Österreich: verboten
Schweiz: verboten

Belgien: nicht verboten
Griechenland: nicht verboten
Großbritannien: nicht verboten; Leihmütter dürfen jedoch nicht bezahlt werden, auf Leihmutterschaft gerichtete Verträge sind undurchsetzbar, auf Leihmutterschaft gerichtete gewerbliche Vermittlungstätigkeit ist verboten
Niederlande nicht verboten, strafbar sind jedoch Veranlassung von Leihmutterschaftsvereinbarungen, öffentliches Anbieten von Leihmutterschaftsdiensten sowie öffentliche Suche nach Frauen, die zur Leihmutterschaft bereit sind 
Spanien: nicht verboten, Leihmutterschaftsverträge sind jedoch nichtig

(Quelle: Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, www.cueno.de/medr/show_all.asp)