Promis in der Schule - Harry Rowohlt

1. Hatten Sie eine Lieblingslehrerin/einen Lieblingslehrer ?
Wenn ja, was hat diese/n ausgezeichnet ?
Else Siems, Dr. Dzewas, Herr Glockauer.
Else Siems war während des Hitler-Faschismus nach Kuba emigriert gewesen, was man daran merkte, daß sie, wenn wir ihr gar zu blöd waren, flamencoartig zu steppen begann und "Ay caramba!" sagte.
Bei Dr. Dzewas hatte ich zum erst- und einzigen Mal eine 4 in Mathe. Er hatte gefragt: "Was hättest du denn gern, eine 6, eine 5 oder eine 4?" und als ich "Wenn Sie mich so fragen, am liebsten eine 4" sagte, sagte er:
"Er kann ja rechnen!" und die 4 war geritzt.
Herrn Glockauer huldigen wir immer noch alle drei Jahre beim Klassentreffen, und mir wird immer noch mulmig, wenn ich zu ihm "Jürgen" und "Du" sage.
2. Was waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule ?
Deutsch, Englisch, Französisch. (Russisch und Griechisch durfte ich nicht, weil ich zu schlecht in Naturwissenschaften war.)
3. Welche Fächer mochten Sie gar nicht ?
Naturwissenschaften. Ohnehin die einzige Möglichkeit für Minderbegabte, nochmal schnell zu glänzen. Wer sowas kann, soll das doch später studieren und uns nicht in der Schule damit behelligen.
Trotzdem addiere ich im Supermarkt schneller als die Kasse. Im Kopf.
4. Waren Sie im Kindergarten schon mal verliebt ?
Sogar verlobt. Zweimal.
5. Was war Ihnen wichtiger: Hausaufgaben erledigen oder spielen mit den Freunden/Freundinnen?
Das Spielen hole ich jetzt nach. Außer gerade eben. Da mache ich Hausaufgaben.
6. Haben Sie in der Schule von anderen abgeschrieben, oder haben Sie eher abschreiben lassen ?
Ich hatte nichts zu bieten, was man hätte abschreiben können, und um glaubwürdig zu wirken, hätte ich in Mathe nur Quatsch abschreiben dürfen. Den als solchen zu erkennen war ich freilich nicht in der Lage.
7. Sind Sie mal sitzen geblieben ? Wenn ja, in welcher Klasse und hat es Ihnen im Nachhinein geschadet ?
In der 10. Klasse, aber weil ich mich aus Liebe zu meiner zweiten Kindergartenverlobten Katharina zu früh habe einschulen lassen, war ich danach immer noch der Jüngste.
8. Waren Sie mal Klassensprecher oder Schulsprecher ?
Wenn ja, in welcher Klasse ? Hat Ihnen die Arbeit Spaß gemacht ?
Klassensprecher in der 11., 12. und 13. Klasse, sowie, wie sich bei Klassentreffen immer wieder zeigt, auf Lebenszeit. Noch heute erkenne ich ehemalige Klassensprecher sofort. Wir strahlen alle eine gewisse stille Autorität und Kompetenz aus... Was soll ich sagen...Wir sind eben was ganz Besonderes.
9. Haben Sie mal einen Verweis bekommen, bzw. mussten Sie mal zum Direktor ?
Wenn ja, was war der Grund ?
Ja, ich mußte mal zum Direktor. Dar sagte mir, er möchte endlich ein bißchen Opposition in seinem Laden, und ich sollte mich doch gefälligst bei der SMV (Schülermitverantwortung) engagieren. Danach habe ich in bester Kapo-Manier Fahrradwache geschoben.
10. Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Kindheit ?
Weiß ich nicht; dauert zur Stunde noch an.
11. Was war das schlimmste Erlebnis in Ihrer Kindheit ?
Weiß ich nicht; dauert zur Stunde noch an.
12. Welchen Beruf/welche Berufe wollten Sie als Kind ursprünglich erlernen ?
Förster; was sonst.
13. Was würden Sie aus Ihrer heutigen Lebenserfahrung den Schülern als Rat mit auf den Weg geben wollen?
Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät.
14. Eigene Anmerkungen von Herrn Rowohlt
Liebe Kinder, laßt Euch nicht von Euren Lehrern einschüchtern, macht ihnen das Leben aber auch nicht schwer. Die sind nur Lehrer geworden, weil sie zu blöd waren zu schnallen, daß man nach dem Abitur nicht mehr hin muß.
Betreuung durch: Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion KG (GFF)
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Lebenslauf von Harry Rowohlt
Harry Rowohlt (* 27.3.1945 in Hamburg als Harry Rupp) ist ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer sowie Rezitator und Schauspieler.
Harry Rowohlt ist der Sohn des Verlegers Ernst Rowohlt und der Schauspielerin Maria Pierenkämper. Er wurde während der dritten Ehe der Schauspielerin mit dem Maler Max Rupp geboren. Später heiratete seine Mutter dann Ernst Rowohlt.
Harry Rowohlt wuchs in verschiedenen Orten auf, besuchte das Walddörfer-Gymnasium in Hamburg und machte dort sein Abitur. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main und war Volontär im nunmehr von seinem Bruder Heinrich Maria Ledig-Rowohlt geleiteten Rowohlt Verlag sowie bei der New Yorker Grove Press.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er zeitweise als Werbetexter in einer Werbeagentur. Seit 1971 ist er freiberuflicher Übersetzer aus dem Englischen. Daneben wurde er bekannt als Vorleser der von ihm übersetzten Werke, als Autor der Kolumne Pooh's corner in der Wochenzeitung Die Zeit sowie als Darsteller des Obdachlosen Harry in der Fernsehserie Lindenstraße.
Zu hören war er außerdem als Sprecher des Bären in Wenzel Storchs Spielfilm Die Reise ins Glück.
Harry Rowohlt hatte 49 Prozent des Verlags von seinem Vater geerbt. Er lehnte es indessen ab, in das Verlagsgeschäft einzusteigen.
1982 verkauften die beiden Brüder schließlich das Unternehmen an die Verlagsgruppe Holtzbrinck. Anfragen zum Verlag wehrt er mit einem Formschreiben ab: ?Ich habe drei Rundschreiben. Rundschreiben 1 lautet: Ich bin ja schon froh, dass ich nicht Kiepenheuer und Witsch heiße. Wenn Sie was vom Rowohlt-Verlag wollen, wenden Sie sich an den Rowohlt-Verlag und nicht an mich. Weitersagen!?.
Rowohlts Kolumne Pooh's Corner erschien bis 1998 in Abständen von drei bis 10 Wochen. Zwischen der ersten 1998er Corner (in der Kalenderwoche 2) und der zweiten lag über ein halbes Jahr, danach verfasste Rowohlt ohne weitere Erklärung zunächst keine weiteren Kolumnen mehr.
Ohne vorherige Ankündigung erschien in der Zeit Nr. 51/2005 vom 15. Dezember 2005 eine neue Pooh's Corner, in der Rowohlt einleitend erklärte, er habe seine letzten Kolumnen mit wachsendem Unmut gelesen, weshalb er sie niemandem mehr zumuten mochte. Seitdem erschienen in loser Folge weitere von Rowohlts Corner-Beiträgen.
Harry Rowohlt, der heute in Hamburg-Eppendorf lebt und 1996 zum Ambassador of Irish Whiskey ernannt wurde, erhielt u. a. folgende Auszeichnungen: 1997 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau, 1998 den Kurd-Laßwitz-Preis (für seine Übersetzung von Kurt Vonneguts Zeitbeben), 1999 den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung, 2000 eine Goldene Schallplatte für 250.000 verkaufte Exemplare der CD Pu der Bär, 2001 den Satirepreis Göttinger Elch und 2003 den Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Übersetzerpreis und den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch für seine Übersetzung von Philip Ardaghs Schlimmes Ende.
2005 erhielt Rowohlt erneut den Deutschen Jugendliteraturpreis - dieses Mal den mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis für das Gesamtwerk eines deutschen Übersetzers.
?Ein All-Age-Übersetzer wie Rowohlt, der im erwachsenen und kinderliterarischen Bereich tätig ist?, so die Jury in ihrer Begründung, ?kann den Blick für literarische Qualitäten schärfen, die Werke der Kinder- wie die der Allgemeinliteratur gleichermaßen auszeichnen und so die ohnehin durchlässige Grenze zwischen den Bereichen überschreiten. Es sind Qualitäten wie ausladende Komik, Schrägheit, Hintersinn, Skurrilität, Absurdität, Übertreibung und Genialität, die das gesamte Übersetzungs-Oeuvre Rowohlts durchdringen. Sein ganzes Schaffen zeichnet sich aus durch höchste Ansprüche an sich selbst und Sprachverliebtheit bis zur Sprachbesessenheit.?
Harry Rowohlt ist außerdem bekannt für seine exzessiven Solo-Bühnenauftritte, die selten weniger als vier, manchmal sogar mehr als sechs Stunden dauern. Bei diesen Live-Touren nimmt er, auf der Bühne an einem Tisch sitzend, geistige Getränke zu sich und liest aus seinen Texten. Er unterbricht die Lesungen sehr häufig für Kommentare zu den Texten, abschweifende Bemerkungen, Anekdoten, autobiografische Erzählungen, Dialoge mit dem Publikum und vieles mehr, so dass die gelesenen Texte eher im Hintergrund stehen. Die solcherart aufgelockerten Veranstaltungen nennt er ?Schausaufen mit Betonung?.
Die Live-Auftritte genießen einen nahezu legendären Ruf, ein Großteil dieser Veranstaltungen ist bereits lange im Voraus ausverkauft.
Im Juni 2007 gab Rowohlt bekannt, dass er an der nicht heilbaren Krankheit Polyneuropathie leidet, die seine Gehfähigkeit stark beeinträchtigt. Alle Lesungen sagte er ab. Selbst die eigene Krankheit kommentierte er sarkastisch: ?Ich brauch' mich als passionierter Stubenhocker nicht groß umschulen zu lassen.?
Seine Rolle in der Lindenstraße will Rowohlt weiterführen, notfalls im Sitzen, wie er dem Regisseur unverzüglich mitteilte.
Quelle:
Artikel Harry Rowohlt. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. November 2007, 17:04 UTC. URL:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Harry_Rowohlt&oldid=39220862 (Abgerufen: 18. Dezember 2007, 10:02 UTC)




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