Abtreibung - Leben nehmen oder Leben retten?

In Deutschland lassen jedes Jahr durchschnittlich 15 Prozent der schwangeren Frauen ihre Schwangerschaft auf medizinischem Weg abbrechen. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche - landläufig als Abtreibungen bezeichnet - finden in Berlin statt. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik entschieden sich im Jahr 2006 von 1000 Frauen aus Berlin 345 gegen die Austragung ihres Kindes.
Beratungsstellen für Schwangerschaftskonflikte helfen, eine Lösung für ein Leben mit Kind zu finden. Doch die Entscheidung bleibt bei den Frauen selbst.
Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland laut Strafgesetzbuch zwar grundsätzlich verboten, wenn es jedoch der Wille der Schwangeren ist, abzutreiben, kann ein Gynäkologe den Abbruch durchführen. Voraussetzung ist, dass die Frau einen schwerwiegenden Grund vorweisen kann, ihr Kind nicht zur Welt zu bringen, und dass seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind. Außerdem muss sie einen Termin zur Schwangerschaftsberatung wahrnehmen, der nur von einer anerkannten Einrichtung durchgeführt werden darf.
Eine solche Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle ist zum Beispiel Pro Familia in Berlin. Die Diplom-Soziologin Silvia Heyer arbeitet hier als Beraterin. Sie kennt die vielen verschiedenen Gründe, die Frauen zum Schwangerschaftsabbruch bewegen, und hat festgestellt, dass einige davon besonders häufig genannt werden. ?Die meisten Frauen wollen abtreiben, weil sie das Gefühl haben, sich ein Kind nicht leisten zu können?, sagt Silvia Heyer. Das hängt zum einen mit der finanziellen Situation der jungen Familien oder häufig auch allein stehenden Frauen zusammen. Sie glauben, ihr Kind nicht ernähren zu können. Andererseits sorgen sich Schwangere, die sich mitten in der Berufsausbildung befinden oder gerade einen neuen Job bekommen haben, um ihre Existenz. ?Sie befürchten, mit einem Kind ihre Ausbildung nicht zu schaffen oder die Anstellung wieder zu verlieren, was oftmals leider auch der Fall ist?, berichtet die Beraterin aus Erfahrung.
Sie sieht die Ursachen für solche Ängste vor allem in dem gesellschaftlichen Druck, der auf vielen Frauen und Familien lastet. ?Die Erwartungen der Gesellschaft an junge Eltern, über das, was diese ihren Kindern bieten müssen, sind extrem hoch?, kritisiert Silvia Heyer. Dazu kommt, dass aufgrund der sinkenden Geburtenrate zwar mehr Kinder gefordert werden, viele Arbeitgeber schwangere Frauen bisher jedoch stark benachteiligen, ist sie überzeugt.
Neben finanziellen Aspekten sind Partnerschafts- und familiäre Probleme häufig auch Gründe eines Schwangerschaftsabbruchs. Besonders wenn es nach Geschlechtsverkehr zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt, sehen viele keinen anderen Ausweg als die Abtreibung. ?Häufig können vor allem Männer sich ein Leben mit Kind nicht vorstellen und drängen ihre Partnerin regelrecht zum Abbruch?, sagt Silvia Heyer. Andere Familien, die bereits ein Kleinkind haben, trauen sich oftmals nicht zu, nach so kurzer Zeit ein weiteres Kind groß zu ziehen.
Eine wesentliche Rolle spielen auch so genannte Spätabtreibungen, die noch nach der zwölften Schwangerschaftswoche durchgeführt werden. Dabei müssen infolge der Geburt des Kindes gravierende Gefahren für den Körper und die Psyche der Schwangeren bestehen. Oftmals ist das der Fall, wenn feststeht, dass das Kind mit Behinderungen zur Welt kommen wird. Die Spätabtreibung ist ethisch und moralisch sehr umstritten und zählt zu den Hauptkritikpunkten von Gegnern des Schwangerschaftsabbruchs. Sie betrachten das Verfahren als Maßnahme zur Selektierung menschlichen Lebens.
Aus welchen Gründen Frauen sich auch immer für eine Abtreibung entscheiden, Schwangerschaftsberater versuchen stets gemeinsam mit den Betroffenen nach einer Lösung für ein Leben mit dem Kind zu finden. Sei es durch Tipps, woher es finanzielle Unterstützung gibt, oder durch psychologische Beratung. ?Doch, wenn eine Frau zu uns kommt, mit dem festen Entschluss abtreiben zu wollen, respektieren wir das?, sagt Silvia Heyer. Dann werden die Schwangeren über die Methoden der Abtreibung (siehe Infokasten) und etwaige gesundheitliche sowie psychische Folgen aufgeklärt. Außerdem gibt es Informationen zu Behandlungskosten, die zwischen 300 und 450 Euro liegen, und möglicher Unterstützung durch den Staat. Anschließend erfolgt die Vermittlung zu einem Frauenarzt, der bereit ist, die Abtreibung durchzuführen.
Soweit wollen es Gegner des Schwangerschaftsabbruchs, wie Walter Schrader von Pro Life Berlin, einem Zusammenschluss von regionalen Bündnissen für das Lebensrecht, nicht kommen lassen. ?Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes und Abtreibung stets Tötung des ungeborenen Kindes. Der Mensch hat nicht das Recht, ihm das Leben zu nehmen?, sagt er. Nach Ansicht von Pro Life gibt es immer einen Weg, mit dem Kind zu Leben, auch in schwierigen Situationen. Dafür bieten die verschiedenen Mitgliedsbündnisse umfassende Schwangerschaftsberatung und ?alle erdenkliche Hilfe? an, versichert Walter Schrader. Er ist überzeugt: Abtreibung kann nicht die richtige Lösung sein. Besser wäre es, das Kind auszutragen und es danach zum Beispiel zeitweise in Pflege oder zur Adoption frei zu geben. Dem widersprechen wiederum Befürworter des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch, wie Pro Familia Berlin. ?Man kann von keiner Frau verlangen, dass sie ein Kind bekommt, das sie nicht will?, sagt Silvia Heyer.
Die Diskussionen über das Für und Wider eines Schwangerschaftsabbruchs wird es weiterhin geben. Die ?richtige? Entscheidung können aber nur die Schwangeren selbst treffen.
Methoden des Schwangerschaftsabbruches
Absaugen
- Absaugen ist die gängigste Methode bei Schwangerschaftsabbrüchen
- Dabei wird das Innere der Gebärmutter mit einem Sauggerät geleert
- Abschließend wird die Schleimhaut noch mit einem stumpfen löffelartigen Instrument, der Curette, ausgeschabt
- Der Eingriff findet unter Vollnarkose oder unter lokaler Betäubung statt
- Angewendet wird er bis Ende der zwölften Schwangerschaftswoche
Ausschabung
- Beim Ausschaben wird die Gebärmutter nur mithilfe einer scharfen Curette entleert
- Diese, für die Frau schmerzhafte, Methode kommt heute jedoch kaum noch zum Einsatz
Abtreibung mit Medikamenten
- Unter Aufsicht eines Arztes wird die Pille ?Mifegyne? (auch ?RU-486?), die den Ausstoß des Fötus bewirkt, eingenommen
- Dabei kommt es häufig zu starken Blutungen
- Diese Art der Abtreibung ist nur bis zum Ende der siebenten Schwangerschaftswoche möglich
Spätabbruch
- Abbrüche können aus gesundheitlichen Gründen auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche durchgeführt werden
- Das passiert durch die Einnahme der Pille ?Mifegyne? und einer anschließenden Hormonbehandlung
- Dadurch wird eine künstliche Fehlgeburt ausgelöst
- In Deutschland ist ein Spätabbruch nur erlaubt, wenn zum Beispiel eine Gefährdung der körperlichen oder psychischen Gesundheit der Mutter vorliegt
(Quelle:
www.abtreibung-web.de, wikipedia.de)
Weblinks
Allgemeine Infos zum Thema
http://www.abtreibung.de
http://www.abtreibung-web.de
Schwangerschaftsberatung
http://www.profamilia.de/berlin
http://www.donumvitae.org/
http://www.schwanger-info.de/435.0.html
Bündnisse für das Leben, gegen Schwangerschaftsabbruch (Auswahl)
http://www.pro-life-berlin.de
http://www.pro-leben.de
http://www.aktion-leben.de
http://www.alfa-ev.de
http://www.bv-lebensrecht.de
http://www.juristen-vereinigung-lebensrecht.de
Von Stefan Kockrick





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