Allergien - Epidemie des 21. Jahrhunderts
Der Student Ronny Zuber erinnert sich an einen Ausflug mit seiner Schulklasse, den er im Alter von neun Jahren gemacht hat: ?Wir sind mitten durch ein blühendes Rapsfeld gewandert und als wir wieder herauskamen, hatte ich zugeschwollene Augen und musste ständig niesen?, berichtet er. Danach lag der Junge zwei Tage lang krank im Bett. Ronny hatte plötzlich Heuschnupfen, war also allergisch auf Blütenpollen. Heute ist er 24 Jahre alt und noch immer Allergiker, einer von Millionen in Deutschland.

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Heuschnupfen zählt zu den Allergien, die sich seit Anfang der neunziger Jahre explosionsartig vor allem in Westeuropa verbreitet haben. Statistiken zufolge ist die Zahl der Patienten hierzulande um über 70 Prozent gestiegen. Experten gehen davon aus, dass rund 20 Prozent der Erwachsenen schon einmal eine allergische Reaktion auf Blütenpollen hatten. Ebenso hoch sind die Schätzungen bei Kindern. Weil sich diese Allergie in den letzten Jahren so rasch ausgebreitet hat, sprechen Mediziner beim Heuschnupfen inzwischen von einer Volkskrankheit. Dr. Ulrich Wahn, Leiter der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Berliner Charité, geht noch einen Schritt weiter: ?Allergien sind die Epidemie des 21. Jahrhunderts?, sagt er und schließt dabei Neurodermitis, eine Form der Hautallergien, und allergisches Asthma in seine These mit ein. Diese Allergien tauchen ebenfalls immer häufiger in Deutschland auf.
Eine rechte Erklärung dafür mag der Chef des Krankenhauses, in dem Kinder mit Atemwegsleiden, Allergien und Defekten des Immunsystems behandelt werden, auch nicht abgeben. Es existieren verschiedene Theorien, wie zum Beispiel, dass durch den Klimawandel über einen längeren Zeitraum Pollen in der Luft sind. Eine weitere Hypothese von Wissenschaftlern begründet sich auf der Tatsache, dass die Menschen in den industrialisierten Ländern steriler leben als zum Beispiel ihre Mitmenschen aus der Dritten Welt. Diese haben, bedingt durch ihren Lebensstandard, mehr Kontakt mit bestimmten Keimen und Bakterien. Dadurch ist ihr Immunsystem toleranter und sie reagieren viel seltener allergisch, heißt es. ?Es gibt noch viele Theorien, die zusammenhängend betrachtet vielleicht eine Erklärung ergeben. Wir stehen in der Ursachenforschung aber noch am Anfang?, berichtet Dr. Ulrich Wahn.
Was die Ursachen der Volkskrankheit Heuschnupfen angeht, so ist die Medizin allerdings schon weiter. ?Das Immunsystem bildet Gene, die auf unterschiedliche Blütenpollen reagieren, die so genannten IgE-Antikörper?, erklärt der Allergologe. Gelangen Allergiker mit Pollen in Berührung, kann es zu kurzzeitigem Ausfluss aus der Nase, Niesen oder einer Verstopfung der Nase sowie Juckreiz in den Augen kommen. Häufig treten zusätzlich Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der Augenschleimhäute auf. Die meisten Symptome ähneln denen einer Erkältung, weshalb in vielen Fällen Patienten genauso wie Ärzte zunächst keine allergische Reaktion diagnostizieren. ?Eine rechtzeitige Diagnose ist jedoch wichtig, um die Allergie von Anfang an zielgerichtet behandeln zu können?, sagt Dr. Ulrich Wahn. Anzeichen auf den genetisch veranlagten Heuschnupfen treten bereits im Säuglingsalter auf. Diese erste Phase der Allergie wird durch Symptome der Neurodermitis in Form von kleinen Ekzemen auf der Haut oder durch allergische Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel eingeleitet. ?Die zweite Phase, der Ausbruch des eigentlichen Heuschnupfens, folgt meistens erst im Alter zwischen drei und 15 Jahren?, fügt der Arzt hinzu. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang vom ?allergischen Marsch? den Patienten durchlaufen, bevor der Heuschnupfen letztendlich ausbricht.
Auslöser können die unterschiedlichsten Pollen sein. Daher ist der aus dem Volkmund stammende Begriff Heuschnupfen als Bezeichnung der Krankheit auch nicht ganz richtig. Schließlich reagieren nicht alle Allergiker auf Gräser. Korrekter wäre es, von einem allergischen Schnupfen zu sprechen. Am weitesten in Deutschland verbreitet sind die Birkenpollen und die Gräserpollen. Es gibt darüber hinaus auch Menschen, die zum Beispiel auf Hasel-, Erlen- oder Getreidepollen allergisch sind.
?Klarheit bringen nur Allergietests?, sagt Dr. Ulrich Wahn. Die Tests führen in der Regel Hautärzte durch. Dabei werden Allergenextrakte, wie etwa Pollen, nacheinander mit der Haut in Verbindung gebracht. Danach heißt es, die allergische Reaktion abzuwarten. Eine weitere Möglichkeit sind Bluttests, die vor allem bei Kleinkindern angewendet werden, weil sie nicht so sehr strapazieren. Dazu wird lediglich Blut entnommen und auf den Gehalt verschiedener IgE-Antikörper untersucht.
Die heftige Reaktion seines Körpers nachdem er durch ein Rapsfeld gelaufen ist, hat auch den Studenten Ronny Zuber veranlasst, sich einem Allergietest zu unterziehen. ?Dabei wurde festgestellt, dass ich auf diverse Getreidepollen und Gräserpollen allergisch reagiere?, erinnert er sich.
Seit dieser Erkenntnis weiß der junge Mann zumindest, in welchen Wochen des Jahres er besonders anfällig für Heuschnupfen ist. Anhand eines Pollenkalenders sieht er nämlich, wann die verschiedenen Pflanzen ihre Blütezeit haben und damit der Pollenflug in der Luft am stärksten ist. Für den Raum Berlin erstellt der Polleninformationsdienst am Meteorologischen Institut der Freien Universität Berlin einen ständig aktuellen Kalender (siehe Infokasten). ?Dazu gibt es in Berlin zwei Pollenfallen, über die wir die Konzentration der jeweiligen Pollen in der Luft messen?, erklärt Mitarbeiterin Petra Grasse. Von diesen einen mal einen Meter großen Fallen werden die Pollen regelrecht eingefangen. Ein Motor saugt genauso viel Luft an, wie ein Mensch durchschnittlich mit einem Atemzug in seine Lunge bekommt. ?Die Pollen aus der Luft bleiben auf einem Klebefilm haften?, ergänzt Petra Grasse. Anschließend wird unter dem Mikroskop die Pollenart bestimmt. So ist genau messbar, wie viele Pollen einer Blütenart an einem Tag in einem Quadratmeter Berliner Luft umher fliegen.
Doch mit dem Wissen über die Blütezeit allein sind Allergiker noch nicht geschützt. ?Eigentlich müsste ich den ganzen Tag im Haus bleiben, wenn Gräser und Getreide blühen, aber das kann ich nicht, weil ich natürlich raus möchte und das schöne Wetter genießen will?, sagt Student Ronny Zuber und beschreibt ein Problem, das alle Heuschnupfenpatienten betrifft. Sie können sich kaum vor dem Pollenflug schützen. Ärzte raten jedoch, die Pollen möglichst nicht ins eigene Heim einzuschleppen, um zumindest dort frei von ihnen zu sein. Dazu sollte während der stärksten Blütezeit auf ausgedehnte Fahrradtouren und Wanderungen verzichtet werden. Kurze Spaziergänge sind besser. Danach ist aber die Kleidung kräftig auszuschütteln und nach Möglichkeit eine Dusche zu nehmen, um alle Pollen vom Körper zu spülen. Weitere Tipps sind im Internet zu finden (siehe Weblinks).
Diese Verhaltenmaßnahmen lösen allerdings nicht die Probleme einer Pollen-Allergie. Daher sollten Heuschnupfenpatienten sich fachmännisch von einem Arzt behandeln lassen. Neben der Verabreichung von sogenannten Antiallergikern besteht die Möglichkeit eine spezielle Immuntherapie durchzuführen, erklärt Allergie-Experte Dr. Ulrich Wahn. ?Ziel ist es, das Immunsystem für die Pollen, auf die der Patient allergisch reagiert, tolerant zu machen?, sagt er. In der Regel passiert das in Form von Spritzenkuren, die über Wochen mit steigender Konzentration der auslösenden Stoffe durchgeführt werden. Dieses Verfahren heißt Hyposensibilisierung. Für Patienten mit Grasallergie gibt es statt der unangenehmen Spritzen inzwischen Lutschtabletten. Die Forschung arbeitet weiter an einer Verbesserung der Behandlungsmethoden, versichert Dr. Ulrich Wahn.

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Ronny Zuber hat über mehrere Jahre langwierige Spritzenkuren gemacht. Zusätzlich nahm er Medikamente, die die Symptome seines Heuschnupfens etwas abschwächen sollten. ?Die ganze Behandlung hat allerdings kaum angeschlagen?, resümiert er. Schlagartig besser wurde sein Zustand erst nach einem einjährigen Aufenthalt in Spanien, wo er stets in Küstennähe lebte. ?Dort gab es so gut wie keine Gräser- und Getreidepollen und mir ging es gut?, erinnert sich der Allergiker. Seither hat er auch in Deutschland weniger Probleme.
Der Allergologe der Berliner Charité hat eine einfache Erklärung für diesen Fall: ?In der Nähe vom Meer und im Gebirge gibt es so gut wie keine Pollen und damit auch keine allergischen Reaktionen?, sagt Dr. Ulrich Wahn. Er bestätigt zugleich, dass der Erfolg einer Allergiebehandlung stark vom Einzelfall abhängt. Manche Patienten können vollständig geheilt werden, bei anderen ? wie bei Ronny Zuber ? zeigt sich kaum eine Verbesserung. ?Wir sind mit dem Stand der Forschung noch nicht zufrieden?, räumt der Mediziner ein.
Es gilt nicht nur bessere Behandlungsmethoden von Heuschnupfenpatienten zu finden. Allergien umfassen ein breites Spektrum an Krankheitsbildern, die allesamt zwar behandelbar aber nur in den seltensten Fällen zu heilen sind. So können beispielsweise verschiedene äußere Reize, wie Kälte, eine allergische Reaktion der Bronchien auslösen, wobei sich die Atemwege verengen und der Patient schlagartig schlecht Luft bekommt. Diese Reaktion wird als allergisches Asthma bezeichnet. Ähnliche Symptome treten bei Menschen auf, die Duftsstoffe, wie sie in Deosprays oder Räucherstäbchen enthalten sind, nicht vertragen.
Allen Allergien liegt dieselbe Ursache zugrunde, erklärt Dr. Ulrich Wahn. Das Immunsystem des Betroffenen ist überaktiv. ?Es reagiert auf für andere Menschen harmlose Stoffe zum Teil sehr intensiv?, sagt er. Bei Heuschnupfenpatienten lösen Blütenpollen diese Reaktion aus, bei Hautallergikern ist es am häufigsten Nickel. Viele Menschen haben auch Probleme, wenn sie mit Zement, Farbstoffen oder Leder in Berührung kommen. Der Kontakt mit diesen Substanzen ruft eine Entzündung der Haut hervor.
Weit verbreitet unter der Bevölkerung ist auch die Neurodermitis, bei der die juckenden Ekzeme auf der Haut besonders quälend für Betroffene sind. Die Ursachen sind kaum erforscht. Experten gehen aber von einem Zusammenspiel von genetischen Einflüssen und Umweltfaktoren aus. Neurodermitis gilt als ursächlich nicht heilbar.
Weiterhin können allergische Reaktionen durch Nahrungsmittel ausgelöst werden. Schon im Kindesalter treten Allergien unter anderem in Verbindung mit Eiern, Milch, Fisch und Nüssen auf. Sie lösen Juckreiz, Ekzeme aber auch Schnupfen und Asthma aus. ?Besonders gefährlich sind Schockreaktionen, die tödlich sein können?, warnt Dr. Ulrich Wahn. Dabei reagiert der Körper sofort und sehr heftig beim Kontakt mit dem unverträglichen Lebensmittel. Die Atemwege verengen sich und es droht der Tod durch Ersticken.
Die Liste der Allergien ist noch lang und es ist nicht unwahrscheinlich, dass weitere bisher unbekannte Formen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dazu kommen.
Pollenkalender für Berlin
Pollen
Blütezeit (höchste Pollenmesswerte)
Hasel
Januar bis Mai (Anfang Februar und Ende März)
Erle
Februar bis Mai (Ende März)
Birke
März bis Juni (Mitte April)
Gräser (inklusive Mais und Roggen)
April bis September (Juni, Juli)
Beifuß
Juli bis Oktober (Mitte August)
Ambrosie
August bis November (Mitte September)
(Quelle: Meteorologisches Institut der Freien Universität Berlin)
Weblinks
Deutscher Allergie- und Asthmabund
http://www.daab.de
Deutsche Haut- und Allergiehilfe
http://
www.dha-allergien.de
Allergiezentrum der Charité Berlin
http://
www.allergie-centrum-charite.de
Meteorologisches Institut der Freien Universität Berlin
http://
www.geo.fu-berlin.de/met
Ratgeber zum Thema Allergien
http://
www.allergien-ratgeber.de
http://
www.allergie-info.de
http://
www.allergieberatung.org
http://
www.stern.de/allergie
http://
www.nahrungsmittel-intoleranz.com
http://
www.allergiepraevention.de
Pollenkalender für ganz Deutschland
http://
www.meteoros.de/pollen/kalender.htm
http://www.pollenstiftung.de/index.php?inhalt=pollenvorhersage_kalender
Von Stefan Kockrick
Neurodermitis
Die Neurodermitis ist ein endogenes, atopisches Ekzem, das durch starken Juckreiz und extrem trockene Haut gekennzeichnet ist.
Begleitend sind häufig Heuschnupfen, Erkältungsneigung und Asthma zu beobachten.
Als Ursachen werden u.a. erbliche Faktoren und Reaktionen auf schädliche äußere Einflüsse diskutiert. Allergien auf bestimmte Lebensmittel oder deren Zusätze (wie z.B. Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Pestizide) können für ständige Verschlimmerungen verantwortlich sein. Pollen, aber auch Umweltgifte spielen ebenfalls häufig eine Rolle.
Neurodermitis kann auch als Folge einer oder mehrerer Impfungen auftreten.
Der Auslöser ist dabei z.B. das Fremdeiweiß (einige Impfstoffe werden aus Geflügelembryonen hergestellt) oder die in Impfstoffen enthaltenen Antibiotika (Neomycin, Streptomycin).
Die Schulmedizin kann die Beschwerden der Neurodermitis lindern.
Einige ?Alternative Heilmethoden? wie z.B. die ?Klassische Homöopathie? erzielen gute Heilerfolge.
Der Erkrankte selbst (oder die Familie des erkrankten Kindes) können aber
auch selbst viel zur Gesundung beitragen; einige Beispiele:
° lange Stillzeit
° biologische, möglichst fleischarme Ernährung
° Allergene meiden
° Impfungen so spät und wenig wie möglich (nur Einfachimpfungen)
° Vorsicht bei Seife und Waschmitteln
° Verträglichkeit der Kleidung beachten (vor dem ersten Tragen waschen)
° kein Cortison verwenden; verträgliche Salbe ?suchen?
° Erkennen und Reduzieren von ?Streß?
Der Text wurde freundlicherweise von Frau Barbara Grassinger zur Verfügung gestellt:
Barbara Grassinger
Heilpraktikerin - Homöopathie - Neurodermitis
Uhlandstr. 53
10719 Berlin Wilmersdorf
http://www.praxis-grassinger.de




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