Berufswunsch Kinderarzt - ein langer Weg

In Berlin, das zu den kinderreichsten Städten Deutschlands zählt, praktizieren über 700 Kinderärzte. Hier brauchen sich Eltern um die medizinische Versorgung ihrer Kleinen kaum Sorgen machen. Doch in vielen vor allem ländlichen Teilen Brandenburgs ist das nicht so, alarmiert Dr. Elke Jäger, die Vorsitzende des Berliner Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Hier gehen viele Kinderärzte in die wohl verdiente Rente. Es gibt jedoch zu wenige junge Nachfolger. Daher ermutigt und unterstützt die Berliner Kinderärztin zukünftige Mediziner in der Ausbildung.


Foto © Paha_L - FOTOLIA

Doch der Weg bis hin zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, wie es korrekt heißt, ist lang und nicht immer einfach zu meistern.
Grundlage für jeden Kinderarzt ist ein allgemeines Medizinstudium. Es dauert in der Regel fünf Jahre. Die erste Hürde besteht bereits darin, überhaupt einen Studienplatz zu bekommen. Dieser wird per Numerus Clausus (NC)-Verfahren vergeben. ?Anwärter müssen derzeit einen sehr guten Abiturnotendurchschnitt haben, um ohne längere Wartezeit angenommen zu werden?, sagt Dr. Elke Jäger. Das heißt nach Möglichkeit Durchschnittsnote 1.

Haben die Mediziner das Studium erfolgreich abgeschlossen, beginnt erst die eigentliche Ausbildung zum Kinderarzt ? die so genannte Weiterbildungszeit. Sie dauert noch einmal fünf Jahre. ?Die zukünftigen Kinderärzte müssen dabei dreieinhalb Jahre in einer Kinderklinik und ein halbes Jahr auf einer Kinderintensivstation arbeiten?, erklärt die Vorsitzende des Landesverbandes. Den Rest der Weiterbildung absolvieren sie weiter in einer Klinik, bei niedergelassenen Ärzten oder im öffentlichen Gesundheitsdienst (zum Beispiel bei einem Schularzt). ?Am Ende der Weiterbildung muss eine Facharztprüfung vor der jeweiligen Landesärztekammer abgelegt werten?, sagt Dr. Elke Jäger. 

Wie die Ausbildung zum Kinderarzt im Detail aussieht, legen die zuständigen Ärztekammern in der so genannten Weiterbildungsordnung fest. Diese kann von Kammer zu Kammer etwas unterschiedlich  sein. Die Anforderungen sind auf den Webseiten der jeweiligen Ärztekammer abrufbar (siehe Weblinks).
Bei allen gleich ist, dass sich die zukünftigen Kinderärzte während der Ausbildung Fähigkeiten der Krankheitsdiagnostik sowie der Behandlung aneignen müssen, erklärt Dr. Elke Jäger. Weitere Informationen enthält ein offizieller Weiterbildungskatalog (siehe Infokasten).

Ein zunehmendes Problem für angehende Kinderärzte ist nicht, dass die Anforderungen zu hart sind und sie ihre Ausbildung daher nicht schaffen, sondern, dass es immer weniger Weiterbildungseinrichtungen, wie Kinderkliniken oder Arztpraxen gibt, wo sie etwas lernen können. ?Viele Ärzte müssen ihren Wunsch, Kinderarzt zu werden, deshalb aufgeben?, stellt Dr. Elke Jäger fest. Es fehlt an Geld für Ausbildungsstellen und diejenigen Ärzte, die eine haben, arbeiten zumeist unter extremen Bedingungen. Die vorgesehenen 40-Stunden-Wochen gibt es nur auf dem Papier, sagt die Kinderärztin, die häufig selbst zwölf Stunden und mehr in ihrer Praxis zu tun hat. Überstunden werden nicht bezahlt und dazu kommen auch noch ein bis zwei Mal pro Woche Nachtdienste.

Unter diesen Arbeitsbedingungen ist es nicht immer leicht die Motivation für den Job aufrecht zu halten. Doch das ist für die Arbeit mit Kindern besonders wichtig. Kinderärzte müssen ?Freude auf Kinder unterschiedlichster Alterstufen und Herkommen, Geduld, Kommunikationsfähigkeit, Einfühlvermögen und immerwährende Freundlichkeit? auszeichnen, sagt Dr. Elke Jäger.

Mediziner, die diese Eigenschaften mitbringen, vor allem aber die Weiterbildung zum Kinderarzt erfolgreich absolviert haben, stehen damit vor dem Berufseinstieg und haben die Wahl in einer Klinik oder in einer Praxis zu arbeiten. Aussichtsreicher ist derzeit der Job in der Praxis. Kinderärzte, die sich niederlassen wollen, kaufen in der Regel den so genannten Arztsitz des bisherigen Praxisinhabers, der in Rente geht. ?Das ist zur Zeit kein Problem, da es weit mehr Kinderärzte an der Altersgrenze gibt als potentielle Nachfolger?, versichert Dr. Elke Jäger. 

Der Weiterbildungskatalog ? Anforderungen an angehende Kinderärzte

  • Beurteilung der körperlichen, sozialen, psychischen und intellektuellen Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum Abschluss der körperlichen Entwicklung
  • Diagnostik und Therapie der angeborenen und erworbenen Erkrankungen im Kindesalter
  • Durchführung von Vorsorge- und Früherkennungsmaßnahmen
  • Durchführung von allen Impfungen
  • Gesundheitsberatung und Gesundheitserziehung
  • Ernährungsberatung und Sexualberatung
  • Erkennung und Behandlung von Verhaltens, - Sozialisations- und Leistungsstörungen
  • Erkennung von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung
  • Etliche technische Fertigkeiten mehr (apparative Diagnostik, Sonographien, Lungenfunktionsprüfungen, etc.)

(Quelle: Dr. Elke Jäger)

Weblinks

Berufsverbände der Kinderärzte
 http://www.kinderaerzte-in-berlin.de
 http://www.kinderaerzteimnetz.de
 http://www.dgkj.de

Ärztekammer Berlin und Brandenburg
 http://www.aerztekammer-berlin.de
 http://www.laekb.de 

Für zukünftige Kinderärzte
 http://www.medi-learn.de
 http://www.thieme.de/viamedici
 http://www.paediatrie-in-bildern.de
 http://www.paediatrie-links.de



Von Stefan Kockrick<//a><//a><//a>

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