Der kleine "Piks" für die Gesundheit
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben Ärzte die ersten Impfstoffe entwickelt. Große Epidemien gehören hier zu Lande seither der Geschichte an. Damit das so bleibt, sollten Kinder frühzeitig und regelmäßig geimpft werden. Auch Erwachsene können sich vorsorglich schützen - kostenlos.

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Das massenhafte Auftreten von Krankheiten wie Diphtherie oder Pocken verbinden wir heute meist mit längst vergangenen Jahrhunderten, höchstens in einigen sehr armen Ländern der Welt kommen sie noch vor. Schließlich können wir uns durch Impfungen erfolgreich vor Infektionen schützen.
Doch bis es die entsprechenden Mittel dafür gab, dauerte es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Zuvor waren Ärzte machtlos gegen Seuchen und Epidemien, wie zum Beispiel die Pocken. Die Krankheit kostete rund 30 Prozent der Betroffenen das Leben. Wer sie überlebte, war häufig durch Narben entstellt, aber gleichzeitig auch immun gegen die Krankheit. Mit diesem Wissen infizierte der englische Arzt Edward Jenner 1796 einen Jungen mit Kuhpocken, die beim Menschen nur leicht verlaufen. Durch diese erste Impfung der Geschichte erkrankte der Junge nicht an den gefährlicheren Pocken.
Die Ursache für Infektionskrankheiten war allerdings weiterhin nicht bekannt. Das änderte sich 1864, als Louis Pasteur die Keimtheorie formulierte. Zwölf Jahre später erbrachte Robert Koch den Nachweis für den Erreger von Milzbrand, 1881 den des Tuberkulose-Bakteriums. Schnell folgte die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Milzbrand und gegen Tollwut. Im Jahr 1890 kam ein Impfstoff gegen Diphtherie und Wundstarkrampf hinzu. Systematisch wurden in den folgenden Jahrzehnten Impfstoffe gegen weitere Infektionskrankheiten entwickelt.
Damit diese wirken können, muss bereits im frühesten Kindesalter geimpft werden. „Ab dem dritten Lebensmonat sollten Eltern mit ihrem Kind zum Kinderarzt gehen und es impfen lassen“, sagt Dr. Gabriele Elsäßer, die Leiterin des Landesgesundheitsamtes Brandenburg. In diesem Alter steht die erste von vier Pneumokokken-Impfungen an. Außerdem gibt es in einer sechsfachen Kombination den ersten „Piks“ gegen Keuchhusten, Kinderlähmung, Diphtherie, Wundstarkrampf, Hepatitis B und Grippe. In sehr kurzen Abschnitten folgen dann die weiteren Impfungen. Kinderärzte richten sich dabei nach dem offiziellen Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Berliner Robert-Koch-Instituts (siehe Infokasten).
„Die Eltern brauchen sich keine Sorgen machen, dass sie die nächste Impfung für ihr Kind verpassen, denn sie bekommen vom Arzt gleich einen Folgetermin“, beruhigt Gabriele Elsäßer, die selbst Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Umweltmedizin ist.
Kritisch wird es erst, wenn der Sprössling bereits seinen ersten Geburtstag gefeiert hat. „Im Alter von einem Jahr liegt die letzte Impfung des Kindes bereits ein halbes Jahr zurück“, erklärt die Ärztin. Die ab dem 12. Lebensmonat anstehenden Impfungen gegen Mumps, Masern und Röteln sowie gegen Meningokokken vergessen Eltern häufig, sagt Gabriele Elsäßer. Dabei ist gerade die Vorsorge gegen diese Krankheiten unbedingt in den ersten zwei Lebensjahren erforderlich, da sie vor allem in dieser Zeit auftreten. „Alle anderen Impfungen können aber jederzeit nachgeholt werden“, erklärt sie.
Um auch im fortgeschrittenen Kindesalter keine Impfung des STIKO-Kalenders zu verpassen, leisten Brandenburgs Gesundheitsämter wertvolle Unterstützung. Wie die Leiterin des Landesgesundheitsamtes erklärt, weisen die Amtsärzte in Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten und Schulen auf noch ausstehende Impfungen hin. „Zum Beispiel überprüfen wir in der 6. und 10. Klasse wie der aktuelle Impfstatus ist und sprechen Empfehlungen aus“, sagt Gabriele Elsäßer. Mit dem Einverständnis der Eltern kann auch vor Ort der schützende kleine Stich in den Oberarm vorgenommen werden.
Die Gesundheitsämter sind es auch, die vor einer Reise ins Ausland Auskunft über sämtliche Gefahren durch Krankheitserreger und wie Impfen davor schützt, geben. „Gerade vor Reisen in den asiatischen oder afrikanischen Raum sollte man sich vorher medizinisch beraten lassen“, sagt Gabriele Elsäßer.
Der Impfschutz vor einem Trip ins Ausland gilt für alle Mitglieder der Familie, also auch für Mama und Papa. Eine Impfpflicht besteht in Deutschland allerdings nicht. Dafür ist das Impfen kostenlos.
Impfkalender der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts
Empfohlenes Alter | Impfung |
Ab dem 3. Lebensmonat |
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Ab dem 4. Lebensmonat |
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Ab dem 5. Lebensmonat |
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Ab dem 12. bis 14. Lebensmonat |
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Ab 2. bis 5. Lebensjahr |
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Ab 15. Lebensmonat bis Ende 2. Lebensjahr |
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Ab 6. Lebensjahr |
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10. bis 17. Lebensjahr |
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Weblinks
http://www.sterntaler-impfaktion.de
- Eine Website, die rund um den Impfschutz für Kinder informiert. Sie wird vom Berufsverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes des Landes Brandenburg herausgegeben.
http://www.schuetzdich.de/barrierefrei/infektionskrankheiten.htm
- Eine Seite speziell für Kinder und Jugendliche, die unter anderem über Infektionskrankheiten und Schutzimpfungen aufklärt
http://www.rki.de/cln_011/nn_326560/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen__node.html__nnn=true
- Die Website des Robert Koch Instituts, die neben dem aktuellen STIKO-Imfkalender Wissenswertes zum Thema bietet
http://www.kinderaerzteimnetz.de/bvkj/show.php3?id=138&nodeid =
- Die Website des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte beantwortet häufig gestellte Fragen zum Thema Impfung bei Kindern
http://www.gesundes-kind.de/gsk/vorbeugen/start.asp
- Im Bereich „U-Untersuchungen“ gibt es für Eltern neben vielen Infos eine Erinnerungsfunktion, damit sie keine Vorsorgeuntersuchung für ihr Kind versäumen
Die Kritik der Impfgegner
- Es gibt Menschen, die die Wirkung von Impfstoffen stark bezweifeln.
- Kritiker sind zum Teil sogar der Überzeugung, dass Impfungen nicht vor Krankheiten schützen, sondern eher welche hervorrufen, so genannte „Impfschäden“.
- Ihr Hauptargument ist dabei, dass Erreger, die beim Impfen gespritzt werden, nicht automatisch dazu führen, dass der Körper Antikörper bildet.
- Stattdessen könnten vor allem Kinder unter den unerwünschten Wirkungen leiden und bleibende Schäden von einer Impfung tragen.
- Internetseiten von Impfgegnern:
- Eine Liste mit offiziell anerkannten Impfschäden gibt es unter:
http://www.br-online.de/umwelt-gesundheit/thema/impfen/impfschaden.xml
Von Stefan Kockrick


















