Für ein selbstbewusstes Lachen
Die Berliner Studentin Stefanie lacht gern und zeigt dabei stolz ihre Zähne. Das war nicht immer so. ?Als Kind hatte ich schiefe Schneidezähne und einen zu weit nach vorn stehenden Oberkiefer?, erinnert sich die 22-jährige. Je älter sie wurde, desto mehr schämte sie sich für ihr ?schiefes Gebiss?. Deshalb stellte sich Stefanie auch bei einem Kieferorthopäden vor und bekam im Alter von 13 Jahren eine feste Zahnspange, die die Fehlstellungen richtete.

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Die verschobene Kieferstellung und die schiefen Zähne waren bei der Studentin angeboren. Wenn Ober- und Unterkiefer beim Zubeißen nicht richtig aufeinander treffen, große Zahnlücken bestehen oder sich die Zähne gegenseitig den Platz wegnehmen, ist das überwiegend erblich bedingt, erklärt Kieferorthopädin Dr. Gabriele Reihn. ?Durch Fehlverhalten im Kindesalter können die Probleme noch zusätzlich verstärkt werden?, ergänzt die Expertin. Bekanntestes Beispiel für ein solches Fehlverhalten ist das Daumenlutschen. Bei Kindern, die über Jahre hinweg an ihrem Daumen gelutscht haben, steht meist der Oberkiefer zu weit vorn, beziehungsweise der Unterkiefer zu weit hinten. Daher sollten Eltern ihren Kleinen rechtzeitig das Nuckeln am Daumen aber auch am Schnuller oder der Trinkflasche abgewönnen, rät die Berliner Kieferorthopädin.
Spätestens, wenn die ersten Milchzähne vollständig heraus gewachsen sind, sollten Mama und Papa auf Besonderheiten am Gebiss ihres Kindes achten. ?Sind Schiefstellungen der Zähne oder Auffälligkeiten am Kiefer erkennbar, ist ein Besuch beim Kieferorthopäden ratsam?, sagt Dr. Gabriele Reihn. Immerhin lassen sich erste Fehlstellungen bereits im Alter von drei bis sechs Jahren korrigieren. Die Routineuntersuchungen finden jedoch erst im Alter zwischen neun und zwölf Jahren statt. In diesem Zeitraum vollzieht sich der Wechsel von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen. Dann beginnen in der Regel die kieferorthopädischen Behandlungen. Aber auch im Erwachsenenalter ist es noch nicht zu spät für eine Korrektur, bestätigt Dr. Gabriele Reihn.
Welche Methoden zum Einsatz kommen, variiert bei jedem Patienten und richtet sich nach der Schwere der Fehlstellungen. Grundsätzlich wird zwischen herausnehmbaren Apparaturen und festen unterschieden. Die herausnehmbaren Geräte, landläufig als ?Zahnspangen? bezeichnet, bestehen in der Regel aus Metalldraht und Kunststoff. Sie werden individuell angepasst. Die meisten Behandlungen erfolgen mithilfe einer Kombination aus herausnehmbaren und festen Geräten. So wird zum Beispiel in der ersten Phase eine lose Apparatur zur Korrektur der Kieferlage eingesetzt. Nach einer gewissen Zeit wird diese durch eine feste Zahnspange ersetzt. Dazu klebt der Kieferorthopäde sogenannte Brackets (deutsch: Halterungen) auf die Zahnoberfläche. Verbunden sind sie an Ober- und Unterkiefer jeweils durch Drahtbögen. Sie sorgen für den entsprechenden Druck, um schief stehende Zähne zu richten. Zum Schluss des Behandlungszeitraums muss das Ergebnis stabilisiert werden. Das erfolgt zum Beispiel mithilfe von losen Zahnspangen oder Kunststoffschienen. ?Zähne bewegen sich ein Leben lang?, sagt Dr. Gabriele Reihn. Daher müssen die Stabilisierungsgeräte auch kontinuierlich von den Patienten getragen werden. Sonst können sich erneut Fehlstellungen ausbilden.
Im Durchschnitt dauert die kieferorthopädische Behandlung drei bis vier Jahre. Bezahlt wird sie für Kinder (unter 18 Jahre) von den Krankenkassen (siehe Infokasten), wenn die Maßnahmen erfolgreich abgeschlossen sind. ?Der Behandlungserfolg hängt sehr von der Mitarbeit der Patienten ab?, sagt Dr. Gabriele Reihn. Die Zahnspange sollte stets nach den Empfehlungen des Kieferorthopäden getragen werden. Ganz wichtig ist zudem die gründliche Zahnpflege. Vor allem bei festen Apparaturen reicht die Zahnbürste allein nicht aus. Hinter die Brackets und Drähte kommt man nur mit einer Zahnzwischenraumbürste. Außerdem ist Zahnseide sehr hilfreich. Wie es richtig geht, bekommen die Patienten in der Praxis gezeigt.
?Wir leisten viel Aufklärungsarbeit während der Behandlung. Doch bei Kindern brauchen wir auch die Unterstützung der Eltern?, fordert die Kieferorthopädin. Denn auch wenn die Zahnspange vereinzelt als modisch gilt, stört es noch immer vor allem Jugendliche, eine tragen zu müssen. Viele wollen sich anfangs damit nicht in der Schule zeigen, weil sie sich schämen.
Die Studentin Stefanie störte die Zahnspange weniger, da einige ihrer Freunde ebenfalls eine trugen. ?Die Spange gehörte einfach mit zur Pubertät?, sagt sie. Als unangenehm empfand sie vielmehr die Kunststoffschienen, die sie nach der festen Zahnspange zur Stabilisierung getragen hat. ?Ständig musste ich Freunden und Bekannten erklären, welchen Nutzen diese seltsamen Dinger haben?, erinnert sich die junge Frau. Ihre Eltern und die behandelnde Kieferorthopädin haben sie jedoch ermutigt und ihr den absehbaren Erfolg vor Augen geführt. Es hat sich gelohnt. ?Mit dem Ergebnis der Behandlung bin ich sehr zufrieden?, sagt Stefanie.
Kosten für die kieferorthopädische Behandlung
- Maßgeblich für die Höhe der Kosten ist die jeweilige Behandlungsmethode
- bei Patienten unter 18 Jahren beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen mit 80 Prozent an den Behandlungskosten
- Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Kinder bei einer ersten kieferorthopädischen Untersuchung in die sogenannten Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) eingestuft werden
- Die restlichen 20 Prozent sind zunächst selbst zu tragen und werden (nur) nach erfolgreichem Abschluss erstattet
- Behandlungstermine und Beratungsangebote sollten daher regelmäßig wahrgenommen werden, um das gewünschte Ergebnis nicht zu gefährden
- Moderne Behandlungsmethoden (zum Beispiel Invisalign oder spezielle Brackets und Verankerungssysteme) werden grundsätzlich nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, da nach Ansicht des Gesetzgebers auch wirtschaftlichere (und für Patienten meist unkomfortablere) Methoden den gleichen Erfolg erzielen könnten
- Private Krankenkassen tragen in der Regel die gesamten Behandlungskosten, sofern die Patienten das mit dem Versicherer vereinbart haben
(Quellen:
http://www.uke.uni-hamburg.de/kliniken/kieferorthopaedie
http://www.zahn-online.de/zahninfo/kieferortopaedie
Dr. Gabriele Reihn)
Weblinks
Informationen rund um das Thema Kieferorthopädie
http://www.zahnspangen.org
http://www.zahn-online.de
http://www.uke.uni-hamburg.de/kliniken/kieferorthopaedie/index_2226.php
http://www.zahnspangen.cc
http://www.smile-club.de
http://www.invisalign.com/generalapp/de/de/
Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie
http://www.dgkfo.de
Gesellschaft für Kieferorthopädie von Berlin und Brandenburg
http://www.kfobb.de
Von Stefan Kockrick




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