Gesund heißt: Obst, Gemüse und Bewegung

Eine Studie der amerikanischen Fachzeitschrift Advertising Age hat ergeben, dass Kinder beim Lebensmittelkauf in erster Linie zu Süßigkeiten, Cola-Getränken, Eis und Fast Food greifen. Bei Ernährungsberatern und Medizinern läuten die Alarmglocken, wenn sie von solchen Ergebnissen hören. Keiner der jungen Menschen gibt Geld für gesunde Äpfel oder einen Joghurt aus. Diese Lebensmittel gibt es doch sowieso in der heimischen Küche. Also warum kaufen?

Für den Berliner Ernährungsmediziner Dr. Helmut Rottka sind solche Entwicklungen alarmierend. Zumal er bei Befragungen von Kindern aus der Hauptstadt selbst feststellen musste, dass die Jungen und Mädchen am liebsten Spaghetti, Pommes Frites mit Schnitzel und Eis essen. „Das Ergebnis hat mich umgehauen“, sagt er.

Viel lieber wäre ihm, wenn sich Kinder „abwechslungsreich und kalorienarm ernähren“. Das ist gar nicht so schwer, ist der Ernährungsexperte überzeugt. Denn jedes Kind weiß inzwischen, was alles zu einer gesunden Ernährung gehört.

„Obst und Gemüse ist jeden Tag wichtig und zwar reichlich“, sagt Dr. Helmut Rottka. Dazu sollte auch Brot sowie Kartoffeln, Nudeln oder Reis gegessen werden. Diese Lebensmittel enthalten die wichtigen Kohlenhydrate und Vitamine in großen Mengen. Für den nötigen Anteil an Proteinen sorgen Milchprodukte wie Joghurt oder Käse sowie Fleisch und Fisch. Diese Sachen gehören jedoch nur in mäßigen Mengen auf den Speiseplan. Bleiben noch die Fette, um den täglichen Bedarf an wichtigen Nährstoffen zu decken. Sie sind in Fleisch und Wurst, aber auch in Öl oder Butter enthalten. Süßigkeiten, wie Schokolade oder Gummitiere, gehören – in Maßen genossen – ebenfalls zur gesunden Ernährung dazu. „Durch den großen Zuckeranteil ist allerdings die Karies-Gefahr hoch. Deshalb das Zähneputzen nicht vergessen“, rät Dr. Helmut Rottka.

Eltern können sich über die richtige Menge an Nahrungsmitteln im jeweiligen Kindesalter bei Kinderärzten oder Ernährungsberatern informieren. Mehr dazu gibt es auch im Internet (siehe Weblinks).

Die Empfehlungen zur gesunden Ernährung für Kinder sind jedoch nur Richtwerte, sagt Dr. Helmut Rottka, der auch Leiter der Berliner Sektion in der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist. „Niemandem schmeckt alles. Natürlich haben auch Kinder ihre Lieblingsspeisen und Dinge, die sie gar nicht mögen“, ergänzt er. Aber Geschmack ist antrainierbar und daher müssen Mama und Papa rechtzeitig anfangen, Gesundes auf den Tisch zu stellen. „Wenn ein Kind von Anfang an weiß, dass es zum Frühstück Obst und zum Abendbrot Gemüse dazu gibt, wird es das auch später nicht ablehnen“, sagt der Ernährungsmediziner. Außerdem gehören Obst und Gemüse zu den wenigen Lebensmitteln, denen tatsächlich nachgewiesen wurde, dass sie eine präventive Wirkung haben. Apfel, Gurke und Co. schützen nämlich vor Herz- und Kreislauferkrankungen sowie vor Krebs.

Doch vielen Eltern fällt es schwer, ihren Nachwuchs davon zu überzeugen. „Oftmals sind die Eltern selbst kein gutes Beispiel und ernähren sich ungesund“, kritisiert Dr. Helmut Rottka. „Die guten alten Sitten, wie das Zusammenessen in der Familie, gehen immer mehr zurück“, fügt er hinzu. Damit fehlt den Erziehenden die Kontrolle über das Essen ihrer Kinder. Ein Problem, dass sich besonders bei Fast Food bemerkbar macht. „Hier gehen viele Jungen und Mädchen ohne ihre Eltern hin und können essen, was sie wollen“, sagt der Mediziner. Viele Schnellimbiss-Ketten haben inzwischen zum Beispiel gesunde Salate im Angebot und informieren ausführlich über den Fettgehalt ihrer Speisen. Ihr Hauptprodukt, die Burger, bleiben jedoch Kalorienbomben und machen – regelmäßig verzehrt – dick.

Gefördert wird die Gewichtszunahme durch eine Entwicklung der heutigen Zeit: Kinder und Jugendliche bewegen sich viel weniger als früher und verbrennen dadurch zu wenig Energie. „In der Folge leiden immer mehr junge Menschen an Übergewicht“, sagt Dr. Helmut Rottka. Initiativen wie die Berliner „Plattform Ernährung und Bewegung“ (siehe Weblinks) gehen daher in die Kindergärten, um rechtzeitig Aufklärungsarbeit zu leisten.

Mit besonders schweren Fällen von Essstörungen bei Kindern hat die Ernährungsberaterin Edda Breitenbach aus Berlin zu tun. Zu den Essstörungen gehören neben der Übergewichtigkeit auch Magersucht und Bulimie. „In den meisten Fällen sind diese Krankheiten auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen“, sagt sie. Das übermäßige oder eben zu wenig Essen ist lediglich Ausdruck des Problems. Ein solches negatives Erlebnis kann schon der Zwang der Eltern sein, stets aufzuessen, obwohl es überhaupt nicht schmeckt. „Der Teller wird leer gegessen“, heißt es häufig. „Das ist falsch. Essen ist kein Druck- oder Erziehungsmittel“, sagt Edda Breitenbach.


Foto © Julián Rovagnati - FOTOLIA

Nur gesundes Essen in die Brotdose

Das Essen für die Schule muss nicht absolut zucker- und fettfrei sein. Im Gegenteil: Auf Genuss sollte nicht verzichtet werden. Folgende Pausensnacks sind gesund und wichtig:

  • Fünf Portionen Obst und Gemüse sind für den täglichen Bedarf an Vitaminen, Ballaststoffen, Mineral- und sekundären Pflanzenstoffen angemessen.
  • Vollkornbrot und -brötchen sorgen dünn bestrichen mit Butter, Margarine oder Frischkäse und belegt mit Wurst oder Käse für die nötige Energie. Kleinere Happen sprechen besonders jüngere Kinder an.
  • Salatblätter, Tomaten- oder Gurkenscheiben zwischen den Brotscheiben sehen lecker aus und geben dem Kind noch zusätzliche Nährstoffe mit auf den Weg.
  • Milch und Milchprodukte (Joghurt und Quark) sind für Kinder aufgrund des hohen Calciumgehalts täglich wichtig.
  • Süße Überrauschungen, vor allem in Form von Nüssen und Trockenfrüchten sollten ebenfalls in die Brotdose gepackt werden. Schokoriegel und Bonbons, Nuss-Nougat-Creme, Kuchen oder Marmalade sind ebenso lecker, dürfen jedoch nicht täglich auf dem Speiseplan stehen.
  • Zu jeder Mahlzeit sollte ausreichend Mineralwasser, Fruchtschorlen oder (nicht beziehungsweise wenig gesüßte) Tees getrunken werden. Fruchtsäfte enthalten viel Zucker, weshalb sie am besten mit Mineralwasser verdünnt werden. Colagetränke, Kaffee und schwarzer Tee sind aufgrund ihres Koffeingehaltes ungeeignet.

(Quelle: schuleundgesundheit.hessen.de)

Weblinks

Allgemeines zur richtigen Ernährung und speziell bei Kindern

Seiten für Kinder

Aufklärung über Nahrungsmittel

Websites zum Thema Essstörungen


Von Stefan Kockrick

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