Kinder entdecken ihre Umwelt
Im Wartezimmer der Praxis des Berliner Kinderarztes Dr. Thomas Richter sitzen jeden Tag Mütter mit ihren Kleinen. Es dauert mitunter auch etwas länger. Damit den Kindern nicht langweilig wird, haben sie für die Wartezeit ein Spielzeug dabei. „Früher waren es einfache Spielzeuge aus Holz, eine Klapper oder eine Holzklingel. Heute kommen schon die Jüngsten mit Spielzeug-Handys oder Pistolen, die verrückte Geräusche machen“, moniert der Kinderarzt. Mit solchem „Hightech-Spielzeug“ können die Jungen und Mädchen sich nicht normal entwickeln, ist Dr. Thomas Richter überzeugt. „Sie sind einer permanenten Reizüberflutung ausgesetzt“, sagt er.
Kinder beginnen schon von Geburt an, ihre Umwelt zu entdecken. Das Spielzeug, das ihnen dabei in die Hände kommt, nimmt eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung ein. „Zuerst ertasten sie sich ihre Welt“, sagt der Facharzt für Kinderheilkunde. Alles, was den Säuglingen in die Quere kommt, wird angefasst und genau untersucht. Es ist zunächst egal, ob es sich dabei um ein Spielzeug oder irgendein anderen Gegenstand handelt. Nur gefährlich für das Kind sollte er nicht sein. Zumal vieles „zur Probe“ auch in den Mund gesteckt wird.

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„Es dauert nicht lange, dann kommen auch der Geruchs-, Geschmacks- und Hörsinn hinzu“, erklärt Dr. Thomas Richter. In dieser Phase sollten Eltern bewusster darauf achten, was sie ihrem Nachwuchs in die Hände geben. „Es darf nicht zu bunt sein und auch nicht zu viele verrückte Geräusche machen“, rät er. Also keine Spielzeug-Handys oder wild blinkenden und jaulenden Spielpistolen. „Diese Sachen überreizen das Kind“, warnt der Kinderarzt. Er empfiehlt ruhigere Töne, wie etwa von einer Spieluhr oder sanfte Kindermusik. Zudem ist auch die Stimme der Eltern sehr wichtig. „Es sollte in jeder Lebenssituation mit dem Kind gesprochen werden. Umso früher kommt auch eine Reaktion vom Kleinen zurück“, sagt Dr. Thomas Richter. Allgemein gilt: Je vielfältiger die Reize, desto besser ist später auch die Auffassungsgabe des Kindes.
In den ersten Lebensmonaten werden dafür die Grundlagen geschaffen. Die Zeit, in der die Kinder kleine Forscher sind, ist damit allerdings noch lange nicht vorbei. Kinder bei der Entdeckung ihrer Umwelt besonders zu fördern, haben sich die Mitarbeiter der Berliner Kindertagesstätte „Domino“ zum Ziel gesetzt. Das Außergewöhnliche dieser Kita ist die Zweisprachigkeit. Die Kleinen werden in Deutsch und Französisch erzogen. Wie Pressesprecherin Kathleen Schneider-Murandu erklärt, werden dabei die Vorteile der Kinderbetreuung und Bildung beider Länder vereint. „Wir fördern gezielt die Sprache und die Kleinen werden spielerisch ans Schreiben und Rechnen herangeführt“, sagt sie.
Karin Nisrahin ist Erzieherin in der Kita „Domino“. Zusammen mit einer französischen Kollegin betreut sie Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. „Wir arbeiten nach einer Art Lehrplan und geben den Kindern zum Beispiel Mathe- und Sachkundeunterricht oder Lesen mit ihnen“, sagt sie. Dabei werden natürlich keine schweren Aufgaben gerechnet. „In Mathe würfeln wir mit den Kindern und lernen so spielerisch die Zahlen kennen“, erklärt die Erzieherin. Dazu gibt es die Zahlen auch in verschiedenen Farben zum Anfassen. Auf diese Weise lernen die Kinder mit mehreren Sinnen.
Doch zum Lernen gehört nicht nur das Entdecken von Formen, Farben und Geräuschen, sondern auch Erfahrungen zu sammeln, welche Rolle jedes Kind in der Gemeinschaft spielt. „Dafür ist unser täglicher Morgenkreis wichtig“, sagt Karin Nisrahin. Hier erzählt jedes Kind von seinen Erlebnissen am Wochenende. „So lernen sie vor den anderen zu sprechen, während diese wiederum zuhören müssen“, beschreibt sie den Zweck des Morgenkreises. Dazu wird auch der Kalender sehr ausführlich besprochen: Welches Datum ist aktuell? Was ist das Besondere an diesem Tag? „So bekommen die Kinder auch ein Gefühl für die Zeit“, sagt Karin Nisrahin.
Für die Erzieherin spielt die Zusammenarbeit mit den Eltern eine wesentliche Rolle. „Viele fragen uns zum Beispiel welche Lieder wir singen, damit sie mit ihren Kleinen schon mal üben können“, sagt sie. Die Kinder wenden neu erlangtes Wissen häufig auch zu Hause an. Eltern sollten in solchen Situationen gezielt nachfragen, was sie denn im Kindergarten zu diesem Thema gemacht haben. Ein Angebot, die neuen Kenntnisse spielerisch zu vertiefen, stößt sicher auf Interesse. Karin Nisrahin weist jedoch daraufhin, dass den Kindern dabei ein gewisses Maß an Eigeninitiative zugestanden werden sollte.
Was ein Kind in den ersten zwölf Lebensmonaten schon kann
Hinweis: Der folgende Entwicklungskalender ist nur ein Richtwert. Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo.
1. Lebensmonat
- Das Kind strampelt kräftig, gibt erste Laute von sich und hat ab und zu ein leichtes Lächeln im Gesicht
2. Lebensmonat
- Das Kind hebt den Kopf sichtbar an, wenn es auf dem Bauch liegt
- Es lächelt vollmundig und spielt bewusst
3. Lebensmonat
- Aus dem bloßen Greifen nach etwas, was ein angeborener Reflex ist, wird ein zielgerichtetes Zupacken mit einer gewissen Kraft
- Mit seinen Lauten beginnt das Baby sich halbwegs zu verständigen
4. Lebensmonat
- Wenn das Kind Mama oder Papa sieht, fordert es durch freudiges Lachen und Bewegung zur Gesellschaft auf
- Außerdem kann es gewohnte und fremde Umgebungen unterscheiden und macht gegebenenfalls seinen Unmut bemerkbar
5. Lebensmonat
- Der ausgeprägte Tastsinn ermöglicht bewusstes Spielen mit großen Bauklötzen
6. Lebensmonat
- Das Kind rollt von allein vom Rücken auf den Bauch und zurück
- Im Schoß der Eltern sitzt es aufrecht
7. Lebensmonat
- Das Kind federt mit den Knien, wenn es von den Eltern aufrecht gehalten wird
- Es erkennt fremde Menschen
- Es ruft mit einem bestimmten Laut nach Mama und/oder Papa
8. Lebensmonat
- Das Kind bewegt sich durch die Rolle seitwärts fort
- Es klatscht in die Hände
- Es sitzt nahezu aufrecht, ohne gestützt zu werden
- Es beobachtet Vorgänge ganz genau
9. Lebensmonat
- Das Kind wird mobiler, es robbt und rollt
- Es steht sogar, wenn es dabei gehalten wird
- Es greift gezielt in Gefäße hinein
10. Lebensmonat
- Es kommt allein aus dem Sitzen hoch
- Es steht und hält sich dabei an Möbeln fest
- Es unterscheidet kleinste Details
11. Lebensmonat
- Das Kind krabbelt zügig
- Es zieht Sachen zu sich heran
- Es entwickelt erste eigene Wörter
12. Lebensmonat
- Das Kind unterscheidet Formen
- Es beginnt an Sachen zu riechen
- Manche Kinder wagen bereits die ersten Schritte allein
(Quelle:
http://
www.rundumsbaby.de/entwicklungskalender)
Weblinks
Die Website der Berliner Kindertagesstätte „Domino“
Ein Website, auf der Kinder Sprache spielerisch entdecken können
Websites für Eltern mit Beiträgen zum Thema
- http://www.kinderaerzteimnetz.de
- http://www.familie.de
- http://www.kinder.de
- http://www.familienhandbuch.de
- http://www.rundumsbaby.de
Von Stefan Kockrick


















