Kindesmissbrauch

Mit dieser Aussage des kleinen New Yorker Mädchens Mary Ellen wurde 1874 das Thema Kindesmisshandlung erstmals öffentlich. Eine Tierschutzorganisation war damals nötig, um das Schicksal des Kindes zu entlarven und an die Öffentlichkeit zu bringen. Polizei und Richter fühlten sich nicht zuständig.


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Dies hat sich mittlerweile gründlich geändert. Wöchentlich werden neue Fälle von vernachlässigten, geschlagenen oder sexuell missbrauchten Kindern publik. Jüngstes Beispiel sind die grausigen Funde in einem Kinderheim auf der britischen Insel Jersey. Mehr als 160 Opfer haben bislang ausgesagt, die in den vergangenen 40 Jahren dort misshandelt wurden. In Deutschland bewegt noch immer der Fall des zweijährigen Kevin aus Bremen, dessen misshandelte Leiche die Eltern einfach im Kühlschrank aufbewahrten. Jüngste Fälle wie der eines 47-Jährige aus Hessen, der mindestens 28 Jungen und Mädchen in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach sexuell missbraucht haben soll oder der des geständigen Pfarrers von Riekhofen sind kaum weniger grausam.

Wächst die Zahl der Misshandlungen? Das lässt  sich schwer feststellen. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Professor Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen: ?Selbst wir, die wir ständig über Kindesmisshandlung forschen, haben ein Problem. Wir befragen Zehn- bis Vierzehnjährige, was in ihrer Kindheit gewesen ist. Damit haben wir nie einen aktuellen Befund.? Experten gehen davon aus, dass zur polizeilich erfassten Zahl von Fällen eien Dunkelziffer von bis zu 90 Prozent kommt.

Immerhin zeigen Aufklärungskampagnen und die öffentliche Berichterstattung Wirkung. In Berlin ist die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle deutlich angestiegen. Mehrfach konnten in den vergangenen Monaten Kinder aus verdreckten Wohnungen und unmenschlichen Zuständen befreit werden, bevor es zum Schlimmsten kam. Dazu sind oft Hinweise aus dem Umfeld oder der Nachbarschaft der Kinder nötig.  Denn in 80 Prozent der Fälle kommt der Täter aus dem innerfamiliären Kreis. Dietmar Siegert, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes (KSB) Krefeld: ?Das Problem der Kindesmisshandlung ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Es betrifft weder nur einzelne Personengruppen noch bestimmte Schichten.?

Die möglichen Ursachen für Kindesmisshandlung sind vielfältig. Einfache Erklärungsansätze wie sie von Politikern verwendet werden, die beispielsweise die DDR für das heutige Auftreten von Fällen wie in Cottbus oder Frankfurt/Oder heranziehen, greifen zu kurz. Eltern misshandeln und vernachlässigen ihre Kinder, weil sie mit der Erziehung überfordert sind, weil sie möglicherweise selbst als Kinder nichts anderes als Gewalt kennengelernt haben oder weil sie selbst andere Probleme haben, die ihr Verhalten beeinflussen, beispielsweise Drogen- oder Alkoholsucht. Die wenigsten Fälle sind aber miteinander vergleichbar und auf gemeinsame Ursachen zurückzuführen.


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Selbst Betreuer des Jugendamtes können eine Familiensituation nicht immer leicht erkennen. Das haben jüngste Fälle bewiesen. Der einzige Schutz gegen neue Fälle ist eine aufmerksame Gesellschaft, die nicht wegsieht. Diplom-Sozialpädagogin Martina Huxoll vom Deutschen Kinderschutzbund rät: ?Beratungsstellen sollten zur eigenen Unterstützung konsultiert werden, sei es, dass Sie einen Verdacht haben, oder sei es, dass Ihnen gegenüber ein Mädchen oder Junge von Gewalterlebnissen erzählt hat.? Neben den Jugendämtern gibt es zahlreiche Vereine und Notruftelefone, an die sich Betroffene ebenso wenden können, wie Menschen, die sich nicht sicher sind, ob sie einen Verdachtsfall beobachtet haben oder nicht. Auch speziell für Kinder eingerichtete Internetseiten und Notrufe gibt es zuhauf.

Weitere Informationen:
 www.missbraucht.de
 www.polizei-beratung.de/vorbeugung/gewalt/kindesmisshandlung
 www.elternimnetz.de
 www.kindesmisshandlung.de
 www.familienhandbuch.de

Rat und Hilfe:
 www.spielraum.witchweb.ch
 www.youngavenue.de
 www.kinderschutz-zentren.org


Kinderschutz-Zentrum Berlin
Juliusstraße 41
12051 Berlin
TeL: 030/6 83 91 10
Fax: 030/68 39 11-34/-22
 post(at)kinderschutz-zentrum-berlin.de
 www.kinderschutz-zentrum-berlin.de


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