Rechtzeitig eine Brille hilft beim Sehen Lernen

Eine Studie des Allensbacher Instituts aus dem Jahr 2005 hat ergeben, dass rund ein Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Brille zur Unterstützung tragen müssen, etwa zum Lesen oder beim Auto fahren. Weitere 29 Prozent müssen ihre Sehhilfe sogar permanent tragen. Bei den Kindern wird die Zahl der Brillenträger auf 15 Prozent geschätzt. Die Tendenz ist in beiden Altersgruppen steigend.


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Ursachen für diesen Trend sind die frühzeitigen Belastungen der Augen durch Fernsehen und Computer, aber vor allem auch Sehstörungen, die von Geburt an vorhanden sind. Solche angeborenen Fehlsichtigkeiten bei Kindern sind schwer zu erkennen. „Gerade bei Kleinkindern fällt fast gar nicht auf, dass sie ein Problem mit den Augen haben“, sagt Dr. Simone Potthöfer, Augenärztin aus Berlin.

Ein erster Hinweis auf Fehlsichtigkeiten des Kindes sind die Eltern selbst. Tragen beide oder ein Elternteil eine Brille, besteht die Möglichkeit, dass auch der Nachwuchs die Sehschwäche geerbt hat. „Genauso gefährdet sind Kinder, die sehr früh geboren wurden“, ergänzt Dr. Simone Potthöfer. Es kommt nicht selten vor, dass Frühchen schielen oder kurzsichtig sind, erklärt die Fachärztin für Augenheilkunde. In solchen Fällen ist eine Untersuchung durch einen Augenarzt unbedingt erforderlich.

„Gerade im Säuglingsalter ist noch viel mit Hilfe von Brillen zu korrigieren“, sagt die Ärztin. Denn das Auge lernt erst richtig zu sehen. Entsteht zum Beispiel durch eine Kurz- oder Weitsichtigkeit ein unscharfes Bild auf der Netzhaut des Kindes, gleichen Brillengläser das aus. „In jungen Jahren ist das Auge in der Lage sich an dieses scharfe Bild zu gewöhnen“, erläutert Dr. Simone Potthöfer. Würde das Kind keine Brille tragen, bliebe seine Sehkraft auf dem niedrigen Niveau. Im höheren Alter hilft dann keine Brille mehr beziehungsweise nur eine sehr starke. „Bis zum zehnten Lebensjahr sind Korrekturen möglich. Danach lernt das Auge nicht mehr “, fügt die Augenärztin hinzu.

Sehstörungen sind bei Kindern nicht immer von Geburt an vorhanden. Sie können sich auch erst im Verlauf der Entwicklung herausstellen. Den Jungen und Mädchen fällt es gerade in den ersten Lebensjahren schwer, das zu registrieren. Eltern sollten daher auf Veränderungen der Lichtempfindlichkeit ihrer Kinder achten. Außerdem können Trübungen der Hornhaut, eine grau-weiße Pupille oder Augenzittern Anzeichen für Sehstörungen sein. Beim Spielen mit dem Kind lassen sich einfache Tests durchführen: So können Mama und Papa die Lichtempfindlichkeit testen, indem sie eine Taschenlampe dicht neben dem Kopf ihres Kleinen an- und ausschalten. Die Bewegung der Augen lässt sich überprüfen, indem eine Rassel oder ein Kuscheltier vor dem Kind hin und her bewegt wird. Es sollte das Spielzeug nicht aus den Augen lassen. Weitere Hinweise dieser Art finden Eltern unter anderem im Internet (siehe Weblinks). Absolute Gewissheit verschafft jedoch nur ein Besuch beim Augenarzt.

„Auch wenn scheinbar alles in Ordnung ist, sollte das Kind spätestens nach dem zweiten Lebensjahr zum Augenarzt“, sagt Dr. Simone Potthöfer. Sie warnt gleichzeitig, dass die vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U10) beim Kinderarzt dafür kein Ersatz sind. „Die Kinderärzte müssen sämtliche Lebensfunktionen beim Kind checken. Sie können dabei keine so genaue Diagnose stellen, wie es ein Facharzt macht“, sagt sie.

Wird schließlich festgestellt, dass das Kind eine Brille braucht, stellen Augenfachärzte den Grad der Sehbehinderung mit Hilfe spezieller Augentropfen fest. Diese Prozedur ist sehr unangenehm für die zukünftigen Brillenträger, aber unumgänglich, wie Dr. Simone Potthöfer erklärt. „Die Linse bei Kindern ist sehr weich und daher ständig in Bewegung“, sagt sie. 
Durch die Tropfen werden sämtliche Muskeln, die die Linse bewegen, kurzzeitig gelähmt. „Nur so kann man exakt bestimmen, welche Stärke ein Brillenglas für das Auge haben muss“, fügt die Ärztin hinzu.

Zu einer geeigneten Brille für das Kind gehören allerdings nicht nur die Brillengläser. Auch die Fassung muss passen und der Nasensteg muss sitzen (siehe Infokasten). Die Kosten für Brillen bei Kindern übernehmen die Krankenkassen. „Sie leisten einen fixen Zuzahlungssatz, für den man in der Regel eine geeignete Brille bekommt“, erklärt Dr. Simone Potthöfer. Leistungen wie die Entspiegelung der Gläser zahlen die Kassen jedoch nicht. Daher lohnt es sich, Angebote verschiedener Optiker einzuholen und zu vergleichen.


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Die richtige Brille für ein Kind

  • Kinder sollen ihre Brille ständig tragen. Sie muss also besonders bequem sitzen und darf nicht rutschen. Das Gesicht des Kindes soll dabei nicht verfremdet werden.
  • Die Fassung (Rahmen) wird aus Metall-Legierungen und Kunststoff hergestellt und ist in der Regel hautverträglich. Sie sollte klein, stabil und nicht breiter als das Gesicht des Kindes sein.
  • Zur Fassung gehören auch Nasensteg und Ohrenbügel. Der Nasensteg muss eine möglichst große Auflagefläche bieten, damit das Gewicht der Brille gleichmäßig verteilt wird und sie nicht drückt. Bei den Ohrenbügeln heißen die Schlagworte Sport-, Imperial-, Gespinst- oder Gliederbügel. Sie alle reichen fast bis zum Ohrläppchen, sind weich und geben der Brille einen guten Halt. Ihr elastischer Teil sollte mit Kunststoff überzogen sein.
  • Außerdem bestimmt die Brillenfassung die Größe der Brillengläser. Gläserdurchmesser um 30 Millimeter genügen bei Kindern. Durch diese kleinen Gläser wird die Brille wesentlich leichter.
  • Bei Kindern sollten Gläser nicht getönt sein, da sonst zu wenig Licht auf die Netzhaut gelangt.
  • Eine Entspiegelung vermindert störende Einflüsse und macht so das Sehen angenehmer. Sie wird jedoch nicht von den Krankenkassen bezahlt.

(Quelle: Empfehlungen des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands)

Weblinks

 http://www.augeninfo.de

  • Die Website des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands bietet neben vielen hilfreichen Informationen rund um Sehstörungen bei Kindern auch eine Suchmaschine für Augenärzte

 http:// www.sehen.de

  • Die Website des Kuratoriums Gutes Sehen bietet im Verzeichnis „Kind und Sehen“ vor allem Hinweise für Eltern zum Thema

 http:// www.kindundsehen.de

  • Hier wird Rundum-Service für Kinder und Eltern geboten, bei Fragen von der Vorsorge über Augenkrankheiten bis hin zu Erste-Hilfe-Tipps bei Notfällen mit dem Auge

 http://ww.augen-und-mehr.de

  • Auf diesen Seiten gibt es aktuelle Neuigkeiten aus der Entwicklung der Augenmedizin sowie Wissenswertes zu Brillen, Kontaktlinsen und vieles mehr


Von Stefan Kockrick

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