Sicher durch den gefährlichen Verkehrsalltag

Jedes Jahr verunglücken in Deutschland tausende Kinder im Straßenverkehr. Die Berliner Polizei registrierte für das Jahr 2005 insgesamt 1297 Unfälle mit Kindern in der Hauptstadt. Häufig kam es dabei auch zu tragischen Todesfällen. Im September des vergangenen Jahres hat der Berliner Senat daher an der Bismarckstraße Ecke Kaiser-Friedrich-Straße ein Denkmal errichtet. Das ist die Stelle, an der im März 2004 ein neunjähriger Junge beim Überqueren der Straße von einem LKW erfasst und tödlich verletzt wurde. Die Tonstele soll an die vielen Opfer im Straßenverkehr erinnern und gleichzeitig Verkehrsteilnehmer mahnen, solche schlimmen Unfälle zukünftig zu vermeiden.


Foto © Fotolia J. Rasmussen

Um das zu erreichen, können auch Eltern ihren Teil beitragen. Sie müssen ihre Kleinen auf die Gefahren des Straßenverkehrs vorbereiten, sagt Ingo Barnickel vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) Berlin-Brandenburg. Diese Aufgabe beginnt bereits damit, dass sich Mama und Papa selbst an die Regeln im Straßenverkehr halten und nicht etwa bei „Rot“ über die Straße gehen. „Ein gutes Vorbild zu sein, ist das Wichtigste. Niemand hat in den ersten Jahren so viel Einfluss auf die Kinder wie ihre Eltern“, erklärt der Verkehrs-Experte.

Kinder sollten sehr behutsam in den Straßenverkehr eingeführt werden. Sie können Gefahrensituationen noch nicht richtig einschätzen und haben nicht das Reaktionsvermögen eines Erwachsenen. „Daher brauchen Eltern viel Ruhe und Gelassenheit“, sagt Ingo Barnickel. Der ADAC bietet bei der Verkehrserziehung kostenlose Unterstützung an (siehe Weblinks). In speziellen Kursen geben Fachleute Tipps, für die erste Begegnung der Kleinen mit dem hektischen Verkehrsalltag. Das passiert nicht etwa in Unterrichtsform, sondern praktisch und direkt vor Ort. „An typischen Gefahrenpunkten wird den Teilnehmern gezeigt, worauf sie achten müssen und was sie ihren Kindern beibringen sollten“, erläutert Ingo Barnickel.

Spätestens, wenn Kinder im Schulalter sind, können sie jedoch nicht mehr bei jedem Weg vor die Tür von einem Erwachsenen begleitet werden. Dann müssen sie sich selbstständig im Straßenverkehr bewegen, ob zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Hilfreich ist es, wenn der Weg zur Schule bereits im Vorfeld immer wieder trainiert wird, rät Ingo Barnickel. „Dabei sollte nicht der kürzeste, sondern eher der sicherste Weg gewählt werden, auch wenn der länger ist“, ergänzt er. Informationen zum Schulweg geben die Schulen heraus. Oftmals bedarf es jedoch einer gezielten Nachfrage der Eltern.  

Um Schülern den Weg zur Schule zu erleichtern, sind an vielen  Knotenpunkten mit hohem Verkehrsaufkommen so genannte Schülerlotsen im Einsatz. Sie helfen Fußgängern und Radfahrern, Straßen sicher zu überqueren. Der Einsatz von Schülerlotsen ist eine deutschlandweite  Initiative der Deutschen Verkehrswacht, die sich bereits über viele Jahre bewährt hat. Die Deutsche Verkehrswacht widmet sich in verschiedenen Projekten, wie zum Beispiel den Jugendverkehrsschulen, der Verkehrserziehung (siehe Weblinks).


Foto © Fotolia Sébastien NICOT

Eine wesentliche Rolle spielen dabei Kinder als Radfahrer. Im Rahmen der Aktion „FahrRad – aber sicher“ lernen die jungen Radler ihr Gefährt sicher zu beherrschen, auch wenn es mal eng wird. Dazu gibt es einen Check des eigenen Fahrrads auf Verkehrstauglichkeit. Die Radfahrausbildung im dritten beziehungsweise vierten Schuljahr wird ebenfalls von Mitarbeitern der Deutschen Verkehrswacht in Zusammenarbeit mit Lehrern und der Polizei durchgeführt. Den Fahrradführerschein bekommt anschließend nur, wer ordnungsgemäß einen Helm trägt, die Verkehrsregeln beachtet und sich sicher auf dem Rad bewegt.

Doch Kinder sind nicht nur mit dem Fahrrad oder als Fußgänger im Straßenverkehr unterwegs. Sie fahren auch im Auto mit. Dabei gilt es die gesetzlichen Anschnallvorschriften einzuhalten: Bis zu einer Körpergröße von 150 Zentimetern beziehungsweise bis zum Alter von zwölf Jahren müssen Kinder auf den dafür vorgesehenen Kindersitzen Platz nehmen. Diese verhindern bei einem Unfall Verletzungen am Hals durch den Anschnallgurt. Für Kleinkinder gibt es spezielle Schalensitze. Grundsätzlich gilt: Kinder sitzen während der Fahrt hinten. Das Angebot an Kindersitzen ist riesig. „Um den richtigen zu finden, sollte das Kind beim Kauf dabei sein und vorab ausprobieren, ob es sich wohl fühlt“, rät Ingo Barnickel vom ADAC Berlin-Brandenburg. Ein zu beachtendes Kriterium ist außerdem die so genannte ECE-Norm. Sitze, die diese Norm erfüllen, sind besonders sicher, dafür in der Regel aber auch teurer. Hinweise und Ergebnisse von Produktvergleichen gibt es unter anderem beim ADAC oder Stiftung Warentest.

Das richtige Modell zu finden reicht allein nicht aus. Der Kindersitz muss auch korrekt positioniert und festgemacht werden. Dazu sollte die Gebrauchsanweisung genau gelesen werden, mahnt Verkehrsexperte Ingo Barnickel. Falsch angewendet kann auch der sicherste Kindersitz im Ernstfall nicht vor Verletzungen schützen.


Kinder im Straßenverkehr - Wer haftet bei Unfällen?

  • Kinder unter zehn Jahren sind gesetzlich von jeder Haftung bei Unfällen mit Kraftfahrzeugen im motorisierten Verkehr freigestellt
  • Kommt es zum Beispiel zum Zusammenstoß eines 8-jährigen Kindes auf dem Fahrrad und eines PKW, haftet das Kind nicht für einen Schaden am Kraftfahrzeug
  • Der Halter des PKW haftet jedoch dem verletzten Kind auch ohne Verschulden
  • Die Haftungsbefreiung gilt nicht, wenn Kinder vorsätzlich handeln oder sich das Kraftfahrzeug nicht in Betrieb befindet (zum Beispiel ein parkendes Auto)
  • Eltern haften für ihre Kinder, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben
  • Die Rechtssprechung geht bei Unfällen zunächst von diesem Fall aus
  • Eltern müssen dann beweisen, dass sie alles getan haben, um den Unfall zu vermeiden

(Quelle:  http://www.abc-recht.de, Rechtsanwalt Dr. Klaus van der Velden)

Weblinks

Infomaterial und Tipps für Eltern
 http://www.lernwerkstadt.de 
 http://www.dvw-ev.de
 http://www.bund-berlin.de/index.php?id=124&type=10
 http://www.adac.de/ADAC_vor_Ort/Berlin_Brandenburg
 http://www.sicher-im-auto.com

Für Kinder
 http://www.gordan-online.de
 http://www.planet-helmi.de


Von Stefan Kockrick

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