Sicher im Netz unterwegs

Kinder entdecken immer früher das Internet für sich. Mehr als die Hälfte aller Neun- bis 13-Jährigen hat bereits Erfahrungen im Netz gemacht. Das ergab die aktuelle KIM-Studie 2006 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest. Die meisten jungen Nutzer surfen, um Informationen für Hausaufgaben zu suchen oder an Onlinespielen teilzunehmen. Viele Mädchen und Jungen ?tummeln? sich auf speziellen Websites für Kinder. Weit oben in der Liste der häufig besuchten Seiten stehen aber auch Angebote für Erwachsene und Chats, bei denen Kinder sowohl zu gleichaltrigen als auch zu älteren Nutzern Kontakt aufnehmen können.


Foto © Marzanna Syncerz - Fotolia.com

Mit den nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind allerdings viele Gefahren verbunden. Das bestätigt auch Sabine Zelm vom Onlineportal Kindercampus.de und sieht dabei ein gravierendes Problem: ?Viele Eltern kümmern sich zu wenig darum, welche Seiten ihre Kinder im Netz besuchen?, sagt sie. Kindercampus.de hat unter seinen jungen Nutzern nachgefragt (siehe Infokasten), ob sie ihre Eltern vor dem Surfen informieren. Zwar handelte es sich dabei nicht um eine repräsentative Studie, doch die Tendenz zeigt deutlich, dass nur die wenigsten Kinder Mama und Papa bescheid sagen, wenn sie online gehen und welche Seiten sie dabei besuchen. Die Mehrzahl klickt ohne das Wissen der Eltern. ?Wenn Eltern ihren Kindern diesen Freiraum aber geben, müssen sie sie zuvor über die wichtigsten Sicherheitsregeln aufgeklärt haben?, warnt Sabine Zelm.

Die wichtigsten Regeln fürs Surfen betreffen den Umgang mit Chats. Ein hohes Maß an Sicherheit bieten betreute Chats und Foren, in denen geschulte Moderatoren ein Auge auf die Inhalte haben. Falls Einträge verdächtig sind, können sie diese jederzeit sperren. Auch Kindercampus.de bietet diesen Service unter der Rubrik ?Freunde?. Zusätzlich zur Betreuung durch Erwachsene gibt es auch einen Alarm-Button. Mit einem Klick darauf kann ein Kind melden, wenn es sich beleidigt oder bedroht fühlt.

Sabine Zelm rät, Kinder ausschließlich mit gleichaltrigen chatten zu lassen. Chats für Erwachsene sollten tabu sein. Grundsätzlich gilt es anonym zu bleiben. Das heißt, es sollten keine Spitznamen verwendet werden, aus denen sich der wahre Name schließen lässt. Adressen und Telefonnummern der Kinder sind ebenfalls geheim zu halten. Außerdem dürfen keine persönlichen Fotos ins Netz gestellt werden.

Manche Chat-Freundschaften gehen über das Internet hinaus. Dann wollen Kinder, genauso wie viele Erwachsene, denjenigen kennen lernen, mit dem sie sich immer geschrieben haben. Doch davon rät Sabine Zelm ab. ?Es sollte keine Treffen mit Unbekannten geben?, sagt sie. Bleibt das Kind trotz aller Warnungen bei seinem Wunsch, können Eltern versuchen, den Chat-Freund zuvor persönlich kennen zu lernen - zum Beispiel bei einem Telefongespräch. Zum Treffen sollten sie ihr Kind auf jeden Fall begleiten.

Die Regeln für Chats gelten analog auch für Onlinespiele und so genannte virtuelle Communities, wie zum Beispiel ?Second Life?. Inzwischen gibt es das ?zweite Leben? im Internet auch für Teenager im Alter 13 bis 19 Jahren. Zwar wurden unter anderem nicht jugendfreie Inhalte aus ?Teen Second Life? verbannt und es besteht die Möglichkeit für Eltern, einen Bericht über die Aktivitäten ihres Kindes anzufordern. Doch Experten warnen, dass Jugendliche trotz vieler Sicherheitsmaßnahmen mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden können. Eltern raten sie daher, weiterhin ein Auge auf das Nutzungsverhalten ihres Kindes zu haben.  

Gerade bei jüngeren Kindern sollten Eltern online stets dabei sein. Dann können sie ihnen nicht nur erklären, worauf im Netz zu achten ist, sondern auch gemeinsam nach interessanten Websites suchen. Es gibt sehr viele spezielle Kinderseiten, die in der Regel auch einen pädagogischen Anspruch haben (siehe Weblinks). Bevor Kinder allein surfen, sollten Mama und Papa das Wissen ihrer Sprösslinge testen. Ein Angebot, das auf spielerische Weise zu erledigen, ist das Spiel ?Mission Internet?, das bei Kindercampus.de zur Verfügung steht.

Neben den allgemeinen Sicherheitsregeln für die Internetnutzung besteht auch die Möglichkeit, Kinder vor gefährdenden oder unliebsamen Inhalten auf technischem Weg zu schützen. Die meisten Provider (zum Beispiel AOL, T-Online oder Freenet) bieten dafür so genannte Kindersicherungen an, über die sich beispielsweise pornografische Inhalte herausfiltern und sperren lassen. Hundertprozentige Sicherheit ist damit allerdings auch nicht gegeben. ?Viele Gefahren lauern in ganz harmlos wirkenden Angeboten, die scheinbar für Kinderaugen gemacht sind und die von einer Kindersicherung gar nicht erfasst werden?, erklärt Sabine Zelm. Technische Hilfsmittel können die Aufgabe der Eltern, Kinder vor den Gefahren des World Wide Webs zu schützen, daher nicht übernehmen.


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Die Kindercampus.de-Studie zum Internetnutzungsverhalten

Kindercampus.de fragte Kinder, die die Website besuchten, inwieweit ihre Eltern darüber Bescheid wissen, wann und wo sie im Internet surfen:

  • Zwei Prozent der Kinder surfen immer gemeinsam mit Mama und Papa
  • 29 Prozent sagen Bescheid, wenn sie sich ins Netz begeben
  • 68 Prozent sagen ihren Eltern nichts, wenn sie online gehen
  • Sieben Prozent der Kinder gaben an, ihren Eltern zu sagen, welche Websites sie besuchen
  • Bei 48 Prozent der Befragten interessiere es die Eltern überhaupt nicht
  • 45 Prozent geben nur unregelmäßig an, welche Seiten sie angeklickt haben

(Quelle: Kindercampus.de, Sabine Zelm)

Weblinks

 http://www.kindercampus.de
 http://www.klicksafe.de
 http://www.internet-abc.de
 http://www.blinde-kuh.de
 http://www.seitenstark.de
 http://www.kidsville.de
 http://www.internet-seepferdchen.de
 http://www.chatten-ohne-risiko.net
 http://www.kindersindtabu.de

?Ein Netz für Kinder - Surfen ohne Risiko?? ? Internetleitfaden des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [PDF]
 http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=4712.html


Von Stefan Kockrick

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