Wenn Mama und Papa sich scheiden lassen

Die mit Abstand häufigste Form des Zusammenlebens von Paaren in Deutschland ist die Ehe. Rund 19,5 Millionen Ehen gibt es in der Bundesrepublik. Doch jedes Jahr werden über 200.000 getraute Paare wieder geschieden. Inzwischen passiert das immer häufiger sogar über das Internet (siehe Infokasten).


Foto © Diego Cervo - FOTOLIA

Am meisten unter der Trennung der Eltern leiden die gemeinsamen Kinder. Gerade, wenn der Scheidungsprozess nicht einvernehmlich zwischen beiden Parteien verläuft, geraten sie zwischen die Fronten. „Eltern müssen sich bemühen, die Kinder nicht in die ehelichen Auseinandersetzungen mit einzubeziehen“, sagt die Diplom-Psychologin Sylvia Müller. Sie ist Familientherapeutin in der Beratungsstelle Spandau des Evangelischen Johannesstifts Berlin. Hier finden Paare kostenlose Beratung, wenn sie die schwierige Situation der Trennung nicht aus eigener Kraft meistern können. Auch Ehe- und Familienberatungsstellen in Berlin und Brandenburg (siehe Weblinks) bieten diese Form der Hilfe an.   

Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit von Sylvia Müller besteht in der Arbeit mit den Kindern von getrennten Eltern. Im Zeitraum von April bis Juli trifft sie sich jede Woche mit Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis zwölf Jahren. „Getrennte Eltern – Kinder zwischen den Stühlen“ heißt die Gruppe für Scheidungskinder in der Beratungsstelle Spandau. „Sie bietet eine Möglichkeit sich auf kreative und spielerische Weise mit den Ängsten und Gefühlen auseinanderzusetzen, die durch die Trennung ausgelöst wurden“, erklärt die Psychologin. In der Gemeinschaft mit Kindern, die ähnliche Erfahrungen wie sie gemacht haben, können die Betroffenen voneinander lernen und sind mit ihren Problemen nicht allein.

Und Probleme gibt es für Scheidungskinder viele. Es fängt mit dem Schock an, der sie trifft, wenn Mama und Papa ihnen mitteilen, dass sie in Zukunft getrennte Wege gehen. Bei der Begründung für Ihre Trennung sollten Eltern sehr sensibel sein, rät Sylvia Müller. „Kinder fühlen sich häufig schuldig, denken, dass sie etwas falsch gemacht haben und die Eltern sich deshalb trennen“, sagt sie. Daher ist es wichtig, ihnen klar zu machen, dass ihr Verhalten nicht der Auslöser war.

Ist die Trennung einmal verkündet, droht vielen Kindern der so genannte Loyalitätskonflikt. Bei welchem Elternteil sollen sie in Zukunft leben, fragen sie sich. Vor Gericht haben sie ab dem 14. Lebensjahr ein Mitspracherecht. Ihre Meinung wird in vielen Fällen jedoch auch früher von Richtern berücksichtigt. „Die endgültige Entscheidung, wo die Kinder leben, sollten aber die Eltern treffen“, empfiehlt Sylvia Müller. Von keinem Kind kann verlangt werden, dass es sich für Mama und gegen Papa oder umgekehrt entscheidet, wenn es beide Elternteile zugleich lieb hat.

In der Gruppe verarbeitet die Therapeutin diese Probleme mit den Kindern auf spielerische Weise. Rollenspiele, Pantomime, Vertrauensübungen oder auch Malen und Tanzen gehören genauso dazu, wie ein Informationsfilm zum Thema Trennung. Am Ende wird Bilanz gezogen. „Ich vermittle den Eltern meinen Gesamteindruck über das Kind in der Gruppe“, sagt Sylvia Müller. Dazu versucht sie Empfehlungen und Anregungen für das „neue“ Leben zu geben.

Trennung der Eltern muss allerdings nicht zwangsläufig bedeuten, dass Kinder einen langfristigen psychologischen Schaden nehmen. Oftmals kommt es vor, dass sich die Lebenssituation für sie verbessert. Vor allem, wenn zuvor Streit oder sogar Gewalt den Familienalltag bestimmten.
Im Gegensatz dazu können auch Symptome wie zunehmend aggressives Verhalten, Leistungsabfall in der Schule oder häufiges Weinen und Zurückgezogenheit auftreten. Nicht selten ist die Ursache dafür ein „Scheidungskrieg“ der Eltern, bei dem die Kinder als „Waffe“ missbraucht werden, um den ehemaligen Partner, zum Beispiel durch die Verhinderung von Besuchen, zu schwächen.

Ein Weg, solche „Gefechte“ nach der Trennung zu vermeiden, ist die so genannte Mediation. Es ist ein Verfahren zur Lösung von Konflikten, dass auf die Selbstbestimmtheit der Parteien setzt, erklärt Dr. Michael Preußler. Er ist im Zentrum für Scheidungsberatung und Mediation des Berliner Vereins „Zusammenwirken im Familienkonflikt“ als Mediator tätig. Der Sozialtherapeut rät Paaren vor allem dann zur Mediation, wenn sie die Trennungsprobleme allein nicht lösen können, sehr wohl aber eigene Lösungen wollen.
„Der Mediator hat nicht wie etwa der Schlichter und schon gar nicht wie der Richter eine Entscheidungsgewalt“, sagt Dr. Michael Preußler. Mediatoren führen lediglich die Verhandlungen. Inhalte bleiben jedoch Sache der Beteiligten.

Trennungspaare, die sich zur Mediation entschließen, sollten bei der Auswahl des Mediatoren nach der Ausbildung fragen. Diese ist nicht bei jedem gleich. „Die Ausbildungsinstitute der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation zum Beispiel arbeiten nach strengen Kriterien für die Mediationspraxis“, sagt Dr. Michael Preußler. Die Arbeit freiberuflicher Mediatoren ist nicht kostenlos. Immer mehr Einrichtungen in gemeinnütziger freier Trägerschaft bieten jedoch auch kostenlose Mediation an (siehe Weblinks).

Das Verfahren ist meist langwierig und sehr anstrengend für alle Beteiligten. Doch findet sich eine einvernehmliche Lösung und können die Kinder zwischen den getrennten Elternhäusern ohne Belastungen hin- und hergehen, erspart das allen viel Leid. 
  

Die Online-Scheidung

  • Bei der Online-Scheidung wird ein Anwalt über ein Formular auf seiner Website oder eine E-Mail mit der Scheidung beauftragt.
    Weitere Formulare können herunter geladen und ausgefüllt auf dem elektronischen Weg an die Kanzlei zurückgeschickt werden.

  • Voraussetzung für eine Online-Scheidung ist, dass sich die Ehegatten in wesentlichen Fragen wie Unterhalt oder Sorgerecht für gemeinsame Kinder einig sind. Zudem muss das Trennungsjahr bereits erfüllt worden sein.

  • Zum Scheidungstermin erscheinen beide Eheleute sowie der online beauftragte Anwalt vor Gericht. Da Einigkeit besteht, nimmt der Termin in der Regel nur wenig Zeit in Anspruch.

  • Durch die Online-Scheidung fallen die Wege zum Anwalt sowie damit verbundene Mandantengespräche weg. Dadurch kann Zeit und Geld gespart werden.

  • Im Jahr 2003 hat ein Bochumer Anwalt zum ersten Mal die Abwicklung eines Scheidungsprozesses via Internet vorgenommen. Seither bieten Kanzleien in ganz Deutschland diesen Service an.

(Quelle:  www.anwalt-scheidung-online.de)

Weblinks

Scheidung allgemein, Unterstützung für Betroffene, Ratgeber Familienrecht
 http://www.scheidungsfamilie.de
 http://www.scheidung.de
 http://www.trennungskind.de
 http://www.elternimnetz.de 
 http://www.familienrecht-ratgeber.de

Erziehungs- und Familienberatungsstellen in Berlin und Brandenburg
 http://www.efb-berlin.de
 http://www.zif-online.de
 http://www.lja.brandenburg.de (Bereich „Hilfe zur Erziehung“)

Mediatoren in Berlin und Umgebung
 http://www.bafm-mediation.de
 http://www.konfliktcoach.de (Dr. Michael Preußler)
 http://www.rak-berlin.de (Bereich „Für Rechtssuchende“)

Online-Hilfe für Kinder und Jugendliche
 http://www.online-probleme-loesen.de (Johannesstift Berlin)
 http://www.kummernetz.de
 http://mein-kummerkasten.de


Von Stefan Kockrick

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