Zur Kur mit den Kleinen im Gepäck
Viele Frauen und Männer leiden unter Gesundheitsproblemen, die allein durch ambulante Maßnahmen beim Arzt oder in einer Klinik nicht behoben werden können. Bei einer mehrwöchigen Kur, fern vom alltäglichen Stress, stünden die Chancen auf Heilung wesentlich besser. Doch gerade bei Familien mit Kindern gestaltet sich ein Kuraufenthalt schwierig.
Wohin mit den Kleinen, wenn Mama oder Papa für mehrere Wochen nicht da sind?

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Die Lösung für dieses Problem sind Mutter(Vater)-Kind-Kuren, bei denen die Kinder mit Mama oder Papa mitfahren können und für sie gesorgt wird. ?Während eines Zeitraums von in der Regel drei Wochen gewährleisten diese Kuren eine umfassende Vorsorge und Rehabilitation von Müttern und Vätern außerhalb des häuslichen Umfelds?, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Deutschen Müttergenesungswerkes. Das Müttergenesungswerk ist ein Zusammenschluss verschiedener Wohlfahrtsverbände, wie der Arbeiterwohlfahrt, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband oder dem Deutsches Roten Kreuz. Ziel der Institution ist es, Eltern (vor allem Mütter) geeignete Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation anzubieten. Dafür arbeitet das Müttergenesungswerk bundesweit mit 85 Kureinrichtungen zusammen.
Wie bei jeder Kur müssen auch bei der Mutter-Kind-Kur bestimmte gesundheitliche Störungen oder Erkrankungen bei der Mutter vorliegen (siehe Infokasten), damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Maßnahme übernimmt, erklärt Anne Schilling. Diese so genannten Indikationen werden vom Arzt schriftlich attestiert. Ganz ohne eigene Beteiligung ist eine Kur trotzdem nicht möglich. Erwachsene müssen pro Kalendertag einen gesetzlich geregelten Zuschlag von zehn Euro leisten. Kinder können bis zu einem Alter von zwölf Jahren als gesunde Begleitperson mitfahren, was von den Krankenkassen bezahlt wird. In vielen Fällen leiden sie jedoch selbst unter Beschwerden und werden daher auch therapiert.
Entscheidend für den Erfolg der Kur ist die richtige Wahl der Kurklinik. Auf den Befund des Arztes hin, machen die Krankenkassen den Familien in der Regel einen Vorschlag für eine geeignete Einrichtung, der im Rahmen des vorgesehenen Budgets liegt. Das Müttergenesungswerk rät jedoch, sich vorab an eine Kurberatungsstelle zu wenden und genau über verschiedene Kurhäuser zu informieren, um dann selbst eine Wahl treffen zu können. Bundesweit unterhält das Müttergenesungswerk 1400 dieser Beratungsstellen (siehe Weblinks). Die Mitarbeiter dort helfen nicht nur, eine geeignete Einrichtung zu finden, sondern unterstützen zum Beispiel auch beim Ausfüllen der Kuranträge.
Die vom Müttergenesungswerk vermittelten Kurkliniken sind alle nach strengen Kriterien ausgewählt, versichert Anne Schilling. Wesentlichstes Merkmal dabei ist der ganzheitliche Therapieansatz. Das heißt, es werden individuelle Therapiepläne für die Patienten zusammengestellt, die aus medizinischen Anwendungen wie Heilbädern oder physiotherapeutischen Maßnahmen, aber auch aus psychologischer und pädagogischer Betreuung bestehen. Mehr Informationen dazu gibt das Müttergenesungswerk.
Die Betreuung der Kinder während des Kuraufenthalts ist unterschiedlich und hängt davon ab, ob sie ebenfalls therapiert werden. Die gesunden Kinder unter drei Jahren werden während der Therapiezeiten ihrer Mütter von pädagogischem Fachpersonal beaufsichtigt. Viele Kliniken bieten auch ?Krabbelgruppen? an. Kinder ab drei Jahren besuchen in der Regel vor- und nachmittags die hauseigene Kindertagesstätte. Für Schulkinder wird Hausaufgabenbetreuung angeboten. Zum Teil besteht auch die Möglichkeit, am Unterricht in der örtlichen Schule teilzunehmen. Über das Angebot zur Kinderbetreuung in den verschiedenen Kurhäusern informieren wiederum die Kurberatungsstellen.
Ist die geeignete Klinik erst einmal gefunden, stellt sich die Frage, ob die Krankenkassen die Kur auch bewilligen, wenn die Wahl nicht auf die von ihnen vorgeschlagene Einrichtung fällt. ?Die Krankenkasse muss die Wünsche der Patienten auf jeden Fall angemessen berücksichtigen?, sagt Anne Schilling. Wenn eine Mutter also beispielsweise in einem christlichen Kurhaus behandelt werden möchte, muss ihre Krankenkasse den Aufenthalt in einem entsprechenden Haus bezahlen.

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Für den Fall, dass eine Mutter-Kind-Kur trotz des ärztlichen Attests nicht bewilligt werden sollte, empfiehlt das Müttergenesungswerk bei der Krankenkasse Widerspruch einzulegen. ?Seitdem die Gesundheitsreform am 1. April 2007 in Kraft getreten ist, sind Mutter-Kind-Kuren keine Ermessensleistung mehr, sondern Pflichtleistungen der Krankenkassen?, erklärt Anne Schilling. Damit müssen medizinisch notwendige Kuren bewilligt werden, und das ohne, dass zuvor alle ambulanten Behandlungsmöglichkeiten am Wohnort ausgeschöpft wurden. Infolge der Gesetzesreform verzeichnet das Müttergenesungswerk eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Mutter-Kind-Kuren. Zugleich rät man jedoch, bei den ebenfalls mit der Gesundheitsreform eingeführten Wahltarifen der Krankenkassen den Leistungskatalog genau unter die Lupe zu nehmen, da die Kassen nun selbst entscheiden können, ob sie Mutter-Kind-Kuren darin aufnehmen. ?Wer sich für einen Wahltarif einer gesetzlichen Krankenkasse entscheiden möchte, sollte dies nicht übereilt tun, sondern prüfen, was wirklich drin steckt?, sagt Anne Schilling.
Medizinische Indikationen für Mutter/Vater & Kind-Kuren
Für folgende Krankheiten werden Mutter/Vater & Kind-Kuren in der Regel problemlos von den Krankenkassen gewährt:
- Erkrankungen der Atemwege
- Ernährungsbedingte Erkrankungen
- Hauterkrankungen
- Herz-Kreislauferkrankungen
- Körperliche und seelische Erschöpfungszustände
- Orthopädische und rheumatische Erkrankungen
- Stoffwechselerkrankungen
Krankenkassen tragen sowohl die Kosten für Kinder, die als gesunde Begleitperson mitfahren als auch, wenn sie als Patienten therapiert werden. Häufige Erkrankungen bei Kindern:
- Erkrankungen der Atemwege
- Erkrankungen des Bewegungsapparates
- Infektanfälligkeit
- Verhaltensstörungen
- Hauterkrankungen
- Entwicklungsverzögerungen
- Hauterkrankungen
(Quelle:
www.mutter-kind.de)
Weblinks
http://www.muettergenesungswerk.de
http://www.mutter-kind-hilfswerk.de
http://www.muettergenesung.caritas.de
http://www.awokuren.de
http://www.drk-berlin.net/info_center/mutter_kind_kuren
http://www.mutter-kind.de
http://www.kur.org
http://www.muettergenesungskur.de
http://www.vater-kind-kur.de
Von Stefan Kockrick




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