Gesundheit:

ADHS

ADHS ist eine bereits im Kindesalter beginnende psychische Störung. Sie tritt als leichte Ablenkbarkeit und geringes Durchhaltevermögen zu Tage, sowie durch ein leicht aufbrausendes Wesen mit der Neigung zum Handeln ohne nachzudenken.

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätssyndrom. Verbreitet sind auch die Bezeichnungen Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) oder Attention Deficit Disorder (ADD).

Die genaue Ursache der ADHS ist bis heute nicht bekannt. Wissenschaftliche Studien haben aber mittlerweile herausgefunden, dass es bei ADHS-Betroffenen im Frontallappen des Gehirns am Neurotransmitter Dopamin mangelt. Das Hirn ist quasi unterstimuliert. Davon sind insbesondere neuronale Regelkreise betroffen, die für das Zusammenwirken von Motivation, Erkennen, Emotion und Bewegungsverhalten verantwortlich sind.

Schon die Diagnose von ADHS fällt schwer, weil eine Vielzahl von Symptomen auftreten kann, die aber auch völlig andere Ursachen haben können. Häufig wir die Hyperaktivität als erstes Anzeichen wahrgenommen, wenn ein Kind häufig zappelig oder unruhig ist. Das ist aber keineswegs immer so. Es gibt auch Formen von ADHS, bei denen die Betroffenen sogar stark in sich gekehrt und zurückgezogen sind.

Das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen (DSM-IV) spricht von ADHS wenn mindestens drei der folgenden Symptome bei einem Patienten feststellbar sind:

  • Kurze Dauer spontaner Aktivitäten.
  • Mangelnde Ausdauer beim Spielen.
  • Sehr häufiges Wechseln zwischen verschiedenen Aktivitäten.
  • Stark beeinträchtigte Ausdauer bei der Bewältigung von Aufgaben, die von Erwachsenen gestellt werden.
  • Ungewöhnlich hohe Ablenkbarkeit während Hausaufgaben oder beim Lesen.
  • Ständige motorische Unruhe (rennen, hüpfen, toben).
  • Bemerkenswert ausgeprägte Zappeligkeit und Bewegungsunruhe während spontaner Beschäftigungen.
  • Bemerkenswert ausgeprägte Aktivität in Situationen, die relative Ruhe verlangen (wie zum Beispiel Mahlzeiten, Reisen, Besuche, Gottesdienst).
  • Schwierigkeiten, sitzen zu bleiben, wenn es verlangt wird.

Die Diagnose sollte aber in jedem Fall einem Fachmann überlassen werden. Da es sich für Betroffene als schwierig herausgestellt hat, kompetente Ärzte zum Thema zu finden, empfiehlt sich der Gang zu einem  Kinder- und Jugendpsychiater oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. "Viele der uns zugewiesenen Patienten gelten als schwierig oder gar als therapieresistent. Viele der Kinder haben eine regelrechte Odyssee von Abklärungen, von Legasthenie-, Familien-, Psycho- und Spiel- und anderen Therapien hinter sich", sagt Dipl.-Psych. Piero Rossi vom Hilfsverein ADD-Online.

ADHS gilt als Modekrankheit, weil sie erst in den vergangenen Jahren untersucht und diagnostiziert wurde. Bezieht man leicht betroffene und nicht therapiebedürftige Personen mit ein, dann kommen einige Studien auf bis zu 25 Prozent der Kinder, die ADHS gefährdet sind. Nach den Kriterien des DSM-IV kann man von vier bis acht Prozent aller Schulkinder in Deutschland ausgehen. Rein rechnerisch bedeutet das, dass in jedem Klassenzimmer durchschnittlich etwa ein betroffenes Kind sitzt. Es gibt allerdings verschiedene Grade von ADHS. Nicht jede muss therapiert werden.

Bisher wird ADHS in der Mehrzahl der Fälle (etwa im Verhältnis 3:1) bei Jungen diagnostiziert. Das liegt daran, dass hyperaktive Elemente der Störung eher auffallen, als der häufiger bei Mädchen festzustellende vorwiegend unaufmerksame Typus.

Zur Behandlung von ADHS sagt Psychologe Piero Rossi: "ADHS als biologische Prädisposition ist nach heutigem Wissen nicht heilbar. Es können aber spontan oder mit psychotherapeutischer Hilfe Bewältigungsstrategien entwickelt werden. Außerdem sind viele Menschen mit ADHS nicht krank, sondern können ihren Eifer, ihre Kreativität und ihre Spontaneität erfolgreich nutzen." Je nach Schwere der Erkrankung setzen Mediziner auf eine Kombinationen von Ansätzen. Rossi: "Nach dem heutigen Kenntnisstand ist eine sinnvolle Behandlung nur durch eine Kombination von medikamentösen und psychotherapeutischen Hilfestellungen möglich." Die Hilfestellungen reichen von Verhaltens- bis Familientherapie, Coaching und Intervention im Schulumfeld. Bei der medikamentösen Behandlung kommen Methylphenidat und Amphetaminderivate zum Einsatz. Das bekannteste Präparat ist Ritalin. Experte Rossi: "Durch die Behandlung wird das Gehirn nur in einen vernünftigen Funktionszustand versetzt, nicht etwa manipuliert oder gar Gedanken oder Fühlen wirklich verändert."

Unbehandelt kann ADHS zu einer Reihe weiterer Störungen und Probleme im Leben der Betroffenen führen. Das betrifft Störungen des Sozialverhaltens, Lese-Rechtschreibstörungen, Zwangsstörungen und Tics. Zudem haben ADHS-Betroffene eine erhöhte Wahrscheinlichkeit Depressionen, Sucht-Verhalten oder Selbstmordanfälligkeiten zu erliegen. Neben den negativen Symptomen haben ADHS-Betroffene auch viele Stärken oder positive Eigenschaften. Bernd Heßlinger verweist auf folgende Stärken, die in der Therapie bewusst gefördert werden sollen: Hypersensibilität, Kreativität, Empathie, Impulsivität. Hyperaktivität kann auch zu besonderer Begeisterung am Leistungssport führen.