Ratgeber:

Allein erziehend, na und?

Eltern, die ihr Kind oder gar ihre Kinder allein groß ziehen, finden Rat und Hilfe bei verschiedenen Verbänden zur Unterstützung Alleinerziehender. Oftmals hilft nur ein einziges Beratungsgespräch, um den Alltag einfacher zu meistern - und das ganz ohne Partner.

In Deutschland leben rund drei Millionen so genannter Ein-Eltern-Familien, in denen überwiegend Mütter aber auch Väter ihre Kinder allein groß ziehen. Bei insgesamt rund 22,5 Millionen Familien im Land entspricht das einem Anteil von über 13 Prozent.

Auch Birgit Uhlworm gehört zu den allein erziehenden Müttern. Sie hat ihre inzwischen 18-jährige Tochter ohne Partner erzogen und ist mit ihrem Leben zufrieden. "Als Alleinerziehender muss man die Sonnenseite sehen: es wird nicht über Erziehungsfragen diskutiert, man ist eigenständig und auch die Kinder werden sehr viel selbstständiger", sagt sie.

Ihre positive Einstellung gibt sie als Geschäftsführerin der Selbsthilfeinitiative Alleinerziehender (SHIA) in Brandenburg auch an andere Mütter und Väter weiter. Die SHIA ist vor allem in Ostdeutschland aktiv, um " wie der Name bereits verrät " Alleinerziehenden unter die Arme zu greifen. Der Landesverband Brandenburg hat seinen Sitz in Königs-Wusterhausen.

Birgit Uhlworm erklärt, dass Hilfe in erster Linie Aufklärung über bestehende Angebote bedeutet. "Viele wissen gar nicht, was es alles gibt", sagt sie. So ist beispielsweise nur wenigen etwas über Zuschüsse zur Familienerholung bekannt. Dabei können sie Unterstützung für einen Urlaub mit ihren Kindern beantragen. "Wir machen darauf aufmerksam und vermitteln zu den jeweiligen Ansprechpartnern", ergänzt die Geschäftsführerin der SHIA Brandenburg.

In den meisten Fällen fragen die Mütter und Väter allerdings nicht nach Urlaubsunterstützung, sondern suchen Rat zu Fragen nach Unterhalt und Sorgerecht. Häufig sind sie nämlich nicht von Anfang allein stehend, sondern haben sich von ihrem Partner getrennt oder ihn durch Tod verloren. Dann muss geklärt werden, wie der Familienunterhalt gesichert wird. Vielleicht sind staatliche Zuschüsse nötig. Welche Möglichkeiten gibt es dabei? Wie soll es mit der Erziehung des Kindes weitergehen? Welches Umgangsrecht bekommt der Partner nach der Trennung?

"Für solche Fragen bieten wir Kurse mit rechtspraktischen Informationen an", sagt Birgit Uhlworm. Diese werden meist von Rechtsanwälten aus dem jeweiligen Fachgebiet gehalten.

"Außerdem gibt es bei uns Kurse zur Stärkung der Erziehungsverantwortung", ergänzt sie. Ziel ist es, Alleinerziehende zu schulen, dass sie auch ohne Partner in der Lage sind, ihr Kind groß zu ziehen.

Aber auch bei alltäglichen Problemen, wie etwa der Betreuung von Kleinkindern, leistet die SHIA Unterstützung. Für Mütter und Väter, die lange Arbeitszeiten haben, stellen die Öffnungszeiten mancher Kindergärten ein Problem dar. Wohin mit dem Kind, wenn Mama oder Papa arbeiten und Oma weit weg wohnt" Für solche Fälle bietet die SHIA selbst Kinderbetreuung an oder vermittelt zumindest einen geeigneten Babysitter.

Die Leistungen der SHIA sind allerdings kostenpflichtig. Der Verein kann mit hauptsächlich ehrenamtlichen Kräften nur einen Teil der Kosten tragen, erklärt die Geschäftsführerin. "Für Mitglieder ist es am günstigsten", sagt sie. Eltern können für einen monatlichen Beitrag dem Verein beitreten, wenn sie längerfristige Unterstützung wollen. "Einigen reicht auch eine Anfrage. Sie bekommen von uns Infomaterial und damit ist ihnen schon viel geholfen", ergänzt Birgit Uhlworm.

Neben der SHIA bietet auch der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) mit Landesverbänden in Berlin und Brandenburg Unterstützung für allein stehende Eltern (siehe Weblinks).

SHIA und VAMV sind allerdings nicht flächendeckend in Berlin und Brandenburg vertreten. Daher sind für Alleinstehende, die Rat und Hilfe suchen, auch die Mitarbeiter der Erziehungs- und Familienberatungsstellen Ansprechpartner. Die Beratungsstellen gibt es in öffentlicher und freier Trägerschaft.

Neben der Vermittlung von Rechtsberatungen steht vor allem das zukünftige Familienleben im Vordergrund. "Es stellt sich die Frage, wie man zum Beispiel nach einer Trennung die Elternrolle allein ausfüllt", sagt Dr. Ursula Ziermann, Leiterin der Familienberatungsstelle Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Das Kind leidet unter der Trennung. Damit die Erziehung dann nicht aus den Rudern gerät, empfiehlt die Psychologin Angebote wie etwa das Elterntraining, bei dem die erzieherischen Fähigkeiten gestärkt werden, zu nutzen.

Sehr hilfreich sind auch Gruppen, in denen sich Alleinerziehende regelmäßig treffen, um Erfahrungen auszutauschen, ist Ursula Ziermann überzeugt. "Durch solche Gesprächsrunden entsteht sozialer Kontakt, den viele Alleinstehende anfangs meiden", sagt sie. Vor allem traditionell erzogene Frauen halten es für ein moralisches Manko, allein erziehend zu sein und ziehen sich zurück. "Das ist es aber nicht", versichert die Leiterin der Familienberatungsstelle.

 

Infokasten

Die Berliner Erziehungs- und Familienberatungsstelle Friedrichshain-Kreuzberg gibt Tipps zu typischen Problemen des Alltags Alleinerziehender:

  • "Ich bin jetzt für alles allein verantwortlich"

    • Das stimmt leider in den meisten Fällen. Aber das heißt nicht, dass sie sich allein die Schuld geben müssen, wenn etwas schief läuft. Oft lassen ihnen die Verhältnisse gar keine Wahl. Sie können doch nichts dafür, wenn ihr Kind zum Beispiel zwei Stunden früher als im Stundenplan vorgesehen von der Schule nach Hause geschickt wird, sich alleingelassen fühlt und dann aus Langeweile vor der Glotze hockt.

  • "Ich muss jetzt alles allein schaffen"

    • Haushalt, Kinder und womöglich noch der Beruf - wenn alles nur auf den eigenen Schultern lastet, kommt manches zu kurz. Das ist normal. Versuchen sie nicht, in allem perfekt zu sein. Dann bleibt eben das Wohnzimmer unaufgeräumt!

  • "Ich darf jetzt nicht versagen"

    • Das Kind/die Kinder laufen aus dem Ruder, sind aggressiv oder haben Probleme in der Schule" Machen sie sich keine Vorwürfe, sondern holen sie sich Rat bei Freunden oder Erziehungsberatern.

  • "Für meine Bedürfnisse bleibt jetzt keine Zeit mehr"

    • Unternehmen sie alle nur denkbaren Anstrengungen, um ein Netzwerk aus Freunden, Nachbarn und Verwandten aufzubauen, die sie bei der Kinderbetreuung entlasten. Denn je mehr sie entlastet sind, umso besser geht es ihnen und damit auch ihrem Kind.

  • "Ich darf jetzt nicht krank werden, sonst bricht alles zusammen"

    • Zugegeben, wenn sie mal "ausfallen", geht es erst mal drunter und drüber. Vor allem, wenn die Kinder noch klein sind. Wer soll für sie kochen, wer bringt sie in den Kindergarten und holt sie wieder ab" Das ist erst mal ein Problem. Aber es regelt sich alles. Vielleicht sind sie gezwungen, fremde Hilfe anzunehmen, vielleicht von Leuten, die sie vorher damit nie belästigen wollten, die aber vielleicht Gefallen daran finden, etwas für sie tun zu können.

  • "Ohne den Vater / die Mutter werden wir nie eine glückliche Familie sein"

    • Warum nicht" Mit einem Partner zusammenzuleben, der sich jeder Verantwortung entzieht oder sich mit Vorliebe hinter dem Beruf verschanzt, ist auch keine Freude und kostet viel Energie.

  • "Mein Kind hat doch nur mich"

    • Wenn Sie diesen Satz verinnerlicht haben, ziehen sie wirklich alle Lasten auf sich und laufen Gefahr, sich mit ihrem Kind einzuigeln. Dabei ist für ihr Kind nichts förderlicher als der Kontakt zu anderen Menschen.

© Alena Ozerova - Fotolia.com

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