Ratgeber:

Berufswunsch Kindergärtner / Erzieher

Die Berufsausbildung für den Beruf Kindergärtner ist bundesweit nicht einheitlich geregelt. Der Erzieherberuf steht prinzipiell Männern und Frauen offen. Um einen Ausbildungsplatz zu erhalten, sollten die Bewerber/innen mindestens einen Realschlussabschluss besitzen. Weiterhin müssen Bewerber eine zweijährige Ausbildung, beispielsweise in der Krankenpflege, der Familien- oder Altenpflege erfolgreich abgeschlossen haben. Alternativ wird eine siebenjährige Berufspraxis in einer sozialpädagogischen Einrichtung anerkannt.

Der Umgang und die Beschäftigung mit Kindern sollten dem zukünftigen Erzieher Freude bereiten. Sie müssen stressresistent und lärmunempfindlich sein sowie Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen besitzen. Zudem ist es von Vorteil, dass der zukünftige Kindergärtner handwerklich und musikalisch talentiert ist, um seine Schützlinge in diversen Bereichen fördern zu können.

Die Ausbildung dauert zwei bis fünf Jahre und erfolgt an einer Fachschule. Die Teilnahme an der schulischen Ausbildung wird nicht vergütet. Für die einjährige praktische Ausbildung in einer sozialpädagogischen Einrichtung wird den künftigen Kindergartenerziehern eine Vergütung gezahlt. Auszubildende, die ihre praktische Ausbildung in einer kommunalen oder in einer Einrichtung absolvieren, die an tarifliche Vereinbarungen gebunden ist, erhalten eine Ausbildungsvergütung in Höhe von EUR 1.333 monatlich. Wer die Ausbildung nicht aus eigenen Mitteln finanzieren kann, hat die Möglichkeit, Schüler-BAföG zu beantragen. Ob es zurückgezahlt werden muss, ist abhängig von der Höhe des Einkommens der Eltern.

In einigen Bundesländern wird die Ausbildung zum Kindergärtner praxisintegriert angeboten. Bei der Ausbildungsform wird an einigen Tagen die Berufsschule besucht und an anderen erfolgt die praktische Ausbildung in einer Kinderbetreuungseinrichtung. Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung, die aus einem schriftlichen, einem praktischen Teil und in einigen Bundesländern ebenso eine mündliche Prüfung besteht. Die Entscheidung für einen bestimmten Einsatzbereich wird vom Erzieher erst nachdem die Abschlussprüfung bestanden wurde getroffen. Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung und einer erfolgreichen Teilnahme einer Zusatzprüfung erwirbt der Erzieher die Berechtigung für ein Hochschulstudium in den Fachrichtungen Sozialarbeit, Psychologie und Pädagogik. Es gibt eine Vielzahl Weiterbildungsangebote, beispielsweise Fortbildungen in den Bereichen Sprach- und Sprechkompetenz, Medienkompetenz, Entspannungstherapie, Begabtenförderung, Gesundheitspädagogik und Musik- oder Theaterpädagogik. Die Ausbildungsinhalte sind vielfältig und bereiten den künftigen Erzieher auf sein Einsatzgebiet vor. Vermittelt wird Wissen über die Entwicklungsstufen die Kinder, die Fähigkeit, verschiedene Verhaltensweisen der Altersgruppen zu interpretieren, Kenntnisse über die Entwicklung zwischenmenschlicher Beziehungen und wie Konflikte gelöst werden. Der künftige Kindergärtner lernt, wie er Sport, Kunst und Musik gezielt zur Erziehung der ihm anvertrauten Kinder einsetzen kann. Zudem werden während der schulischen Ausbildung Grundkenntnisse zu den Schwerpunkten Gesundheitsförderung und Sonderpädagogik vermittelt.

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Der Arbeitsalltag eines Kindergärtners umfasst weit mehr, als nur mit den Kindern zu spielen, malen oder zu basteln. Im Berufsalltag sind täglich neue Herausforderungen zu meistern, beispielsweise wenn ein Kind plötzlich nicht mehr mit den anderen spielen will oder wenn sich ein Schützling weigert, Mittagsschlaf zu halten. Die/der Erzieherin/Erzieher muss die ihm anvertrauten Kinder in jeder Situation betreuen und begleiten. Der Erzieherberuf bietet Kreativität und viel Abwechslung. Der wichtigste Entscheidungsfaktor, sich für den Erzieherberuf zu entscheiden, sollte die Freude an der Arbeit mit Kindern sein. Doch selbstverständlich will auch ein/eine Erzieher/in durch die Ausübung des Berufes finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Ein Erzieher beziehungsweise Erzieherin kann mit einem Einstiegsgehalt in einer Höhe zwischen 1200 und 2000 Euro brutto monatlich rechnen. Die Höhe des Verdienstes wird unter anderem dadurch beeinflusst, in welcher Einrichtung er/sie beschäftigt ist. Kindergärtner/innen in den neuen Bundesländern verdienen in der Regel weniger als ihre Kollegen in den alten Bundesländern.

Im Jahr 2013 existierten im gesamten Bundesgebiet 52.486 Kindertagesstätten, in denen 597.232 Kinder von 43.841 Erzieherinnen und Erziehern betreut werden. In Deutschland existieren verschiedene Arten von Kindergärten, die sich durch ihr Konzept unterscheiden. Montessori-Kindergärten beispielsweise fördern das Streben der Kinder nach Unabhängigkeit. Jedes Kind darf selbst entscheiden, womit es sich wie lange beschäftigen möchte.

In Freinet-Kindergärten dürfen Kinder ebenfalls weitestgehend selbst bestimmen, wie ihre Entwicklung verlaufen soll. Freinet-Kindergärten unterscheiden sich von Montessori-Einrichtungen darin, dass die Kinder in nicht aufbereiteten Situationen und Umgebungen selbst herausfinden, was ihre Stärken sind und haben so die Möglichkeit mehr Selbstvertrauen zu gewinnen.

Das Konzept der Waldorf-Kindergarten beruht vordergründig auf Lernen durch Nachahmung. Die Sinne und das Handeln sollen wichtiger sein, als Wissen und Denken. In Walddorf-Einrichtigen spielen die Kinder Alltagssituationen nach und spielen mit Spielzeugen aus Naturmaterialien. Künstlerische Betätigungen, beispielsweise Musizieren sind fester Bestandteil im Alltag von Waldorf-Pädagogik.

Reggio-Kindergarten sind wie eine kleine Stadt aufgebaut. Hierarchien werden bewusst in den Hintergrund gestellt. Über Aktivitäten wird demokratisch abgestimmt. Erzieherinnen und Erzieher greifen Ideen der Kinder auf, sodass daraus neue Projekte entstehen können.

In Fröbelkindergärten werden Kinder nicht belehrt, sondern sollen sich selbst entfalten können. Es wird darauf wert gelegt, dass Kinder nicht wie kleine Erwachsene behandelt werden, sondern es wird ihnen das Recht auf Spielen und Kindheit zugestanden. Im Vordergrund steht die ganzheitliche Entwicklung des Kindes.

In kirchlichen Kindergärten stehen religiöse Werte im Mittelpunkt. Kinderladen-Kindergärten sind eine Alternative zu konservativen Kindergärten. In Spielzeugfreien-Kindergärten steht die Kreativität anstelle des Konsums im Vordergrund. Darüber hinaus wird Kinderbetreuung in Deutschland in Betriebskindergärten angeboten.

Waldkindergärten sind nur spärlich mit Spielzeug ausgestattet. Stattdessen wandern die mit wetterfester Kleidung und Rucksäcken Ausgestatteten jeden Tag in der Natur im Wald. Mit dem Konzept soll der Entfremdung der Natur entgegengewirkt werden. Gebastelt wird mit Naturmaterialien. Zeit zum freien Spielen gibt es ebenfalls.


Einen eigenen Kindergarten dürfen Personen gründen, die über eine pädagogische Ausbildung verfügen. Es müssen viele Vorschriften eingehalten werden, die von der jeweiligen Landesregierung beschlossen wurden und dort überprüft werden. Wer selbst nicht über die geforderte Ausbildung verfügt, muss geeignetes Personal einstellen. Die Vorschriften zur Gründung eines Kindergartens sind in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich geregelt.

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